Funsport: Seilspringen für Fortgeschrittene - Rope Skipping ist kein Kinderspiel
01.03.2011 - REGION
Von Sabine Nadarzinski
Wenn man in Anwesenheit von Signe Richter Rope Skipping leichtfertig als Seilspringen bezeichnet, sollte man gewappnet sein. Die Trainer der Flying Ropes der TG Rüsselsheim etablierte die Sportart in Deutschland. Richter ist überzeugt von dem, was sie tut und scheint für diesen Sport zu leben. Sie ist Trainerin mit Leib und Seele. Was sie macht, wenn man Rope Skipping mit Seilspringen vergleicht? „Am besten zeigt man es, da sieht man die Unterschiede“, sagt Richter und gibt ihren Schützlingen Anweisungen, nun konzentriert ihr Können zu zeigen.
Laute Musik dröhnt durch die Halle, die jungen Sportler nehmen ihre Seile und zeigen in der Gruppe, was man mit ihrem Sportgerät alles machen kann. Akrobatisch sieht es auch, als Handstand und Springen mühelos miteinander verbunden werden. „Unter Druck sind sie am besten“, sagt Richter mit einem kleinen Schmunzeln auf dem Gesicht. „Wenn alles glattgeht, sehen wir hier den neuen Deutschen Meister.“ Bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften am 19. und 20. März in Wuppertal tritt das Team der Flying Ropes als Titelverteidiger an.
Ich kenne Seilspringen noch aus meiner Kindheit. Aber das, was ich an diesem Tag in Rüsselsheim geboten bekomme, hat nicht viel mit meinen Erinnerungen gemeinsam. Beeindruckt von der Akrobatik und der Koordination erahne ich, dass jahrelanges Training dahinter steckt.
Ab sechs Jahren nimmt Richter die Kinder in ihre Abteilung auf. „Nach etwa fünf Jahren Training sind die Kinder dann so weit, dass sie an Wettkämpfen teilnehmen können.“ Der Großteil ihrer Sportler ist weiblich, nur wenige Jungs finden zum Rope Skipping. „In den USA sind es mehr männliche Sportler, hier ist anscheinend die Konkurrenz zu groß.“
Wer Rope Skipping machen möchte, sollte einige Talente mitbringen. „Schnelligkeit, Ausdauer, Spaß am Turnen, Koordination und das Gefühl für Musik sind gefragt“, erklärt Richter. Im Team sei außerdem nicht das Springen die Schwierigkeit, sondern das Schlagen. „Da kommt es auf Timing und Präzision im Ablauf an“, sagt sie. Ihre Teams trainieren zwei bis drei Mal die Woche. Dass sich das viele Training auszahlt, zeigen die vielen Titel, die die TG Rüsselsheim vorweisen kann. Auf nationaler Ebene errangen die Flying Ropes nahezu alle nationalen Titel. Das nächste Ziel sind die Weltmeisterschaften 2012, die entweder in Hongkong oder in den USA stattfinden werden. „Aber bis dahin müssen wir noch sparen.“ Die Reisen sind teuer und mit Rope Skipping wird man nicht reich. „Der beste Sponsor sind die Eltern und den Rest verdienen wir uns durch unsere Shows dazu.“
Auch ich möchte nun diese „Steigerung vom Seilspringen“, wie es Richter auch nennt, ausprobieren. Mit ihr habe ich eine Trainerin, die mir die Anfänge Schritt für Schritt erklärt, aber auch eine Trainerin, die nicht locker lässt, mich immer wieder korrigiert und kritisiert. Wir beginnen mit einfachem Springen, ohne Zwischensprung. Bei jeder Umdrehung einmal übers Seil. Als ich immer wieder Zwischensprünge mache, ermahnt mich Richter mit fast schon strengem Trainerton: „Ohne Zwischensprung habe ich doch gesagt.“ Und nach ein paar Versuchen klappt es wirklich besser.
