Selbst Breitensport ist nicht mehr ganz sauber - Doping-Einschläge rücken näher
02.09.2010 - KOLUMNE
Von Ulrich Gerecke
Zwei Meldungen der vergangenen Tage, an denen man merkt, wie versaut unser Sport heutzutage ist - selbst auf einem Niveau, bei dem man noch von der schönsten Nebensache der Welt sprechen will.
Da bekommt der Ex-Kapitän eines Radteams aus Alzey einen Strafbefehl aufgebrummt, weil er seine Kollegen mit verbotenen Mittelchen versorgt hat. Aber auch jene Zeitgenossen, die kontrollieren sollen, ob alles mit rechten Dingen zugeht, sind offensichtlich nicht immer ganz sauber. So soll jene Frau, die beim Frauenhandball-Pokalspiel Mainz 05 - Trier im Januar eingeteilt war, selbst ins Reagenzglas gepinkelt und anschließend die Unterschriften der Spielerinnen gefälscht haben. Einfach unapettitlich!
Wer die Tour im TV guckt, ist vermutlich naiv oder zynisch
Was an solchen Meldungen so schlimm ist? Nun, als klar denkende Zuschauer haben wir uns daran gewöhnt, Hochleistungssport kritisch zu betrachten. Wenn Usain Bolt 9,58 Sekunden für 100 Meter braucht, zieht man nur erstaunt die Augenbrauen hoch. Wer heute noch freiwillig die Tour de France im TV verfolgt, ist selber schuld, grenzenlos naiv, hat sich zynisch mit dem Betrug abgefunden oder gehört zu jenen Menschen, die sich eben gern betrügen lassen. Von Gewichthebern, Kugelstoßern und Skilangläufern ist man ebenfalls Kummer gewöhnt.
Aber das alles ist weit weg. Alzey und Mainz dagegen liegen vor der Haustür. Und auch wenn einem Fachleute permanent erzählen, wie gefährlich weit verbreitet Doping selbst im Breitensport schon ist, reagiert man immer wieder erschüttert, wenn die Einschläge näher rücken.
Beim Breitensport-Event vor der Haustür kann man nicht abschalten
Beim hochgezüchteten Sport-Spektakel im Fernsehen kann man immer noch die Fernbedienung nehmen und abschalten. Aber stellen Sie sich mal vor, Sie wollen nächstes Jahr beim Gutenberg-Marathon in Mainz mitlaufen. Oder am Ironman in Wiesbaden teilnehmen. Oder an irgendeinem Jedermann-Radrennen. Wer gibt Ihnen die Garantie, dass die Sportkameraden, die einen an der Startlinie einrahmen, nicht auch hier und da eine Pille oder ein Pülverchen geschluckt haben?
Ja, ja, ich weiß schon, wie die Antwort lautet: Generalverdacht ist umverschämt, böse Unterstellungen, 99 Prozent sind doch sauber. Stimmt ja, vielleicht ist es auch nicht fair, alle in einen Topf zu stecken. Aber so lange immer wieder solche Meldungen wie die eingangs erwähnte aus Alzey auftauchen, kann man keinem ehrlichen Sportsfreund ein mulmiges Gefühl verdenken. Und wenn jetzt sogar die Kontrolleure betrügen, wird es richtig bitter.
Was das noch mit Sport zu tun hat? Nichts mehr.
