Der lange Weg der Menschheit
14.07.2010 - ASTHEIM
Von Detlef Volk
AUSSTELLUNG Schau über das Leben während der Steinzeit in Trebur und Umgebung
Einen kleinen Einblick in die große Sammlung archäologischer Funde Eugen Schenkels bietet eine Ausstellung, die jetzt im Alten Rathaus in Astheim eröffnet wurde. Mit Fundstücken in Vitrinen, ergänzt durch Schautafeln und Bilder, versucht man ein Bild der Steinzeit in Trebur zu zeichnen.
Bei seinen über viele Jahrzehnte kontinuierlich unternommenen Spaziergängen durch die Gemarkung hat Eugen Schenkel rund 300 Fundstellen aus allen Menschheitsepochen entdeckt. Die Ausstellung im Alten Rathaus zeigt in Zusammenarbeit von Eugen-Schenkel-Stiftung und Förderverein exemplarisch einige der Fundstücke. Zugleich soll die Ausstellung Werbung für den Förderverein machen.
„Der Weg der Menschheit ist spannend“, sagte Gemeindevertretervorsteher Horst Staengle zur Eröffnung. Leider habe er während seiner Schulzeit nicht besonders aufgepasst, als die Steinzeit an der Reihe war. Das Versäumte könne nun nachgeholt werden. Spannend findet Staengle auch die Arbeit der Archäologen und Forscher. „Damals gab es keine Protokolle oder Videos, die das Leben dokumentierten“, erinnert er. So müsse nun versucht werden, aus den Funden das damalige Leben zu rekonstruieren. „Das zu zeigen ist Sinn dieser Ausstellung“, sagte Staengle.
An zwei lebensgroßen Figuren wurden Kleidung, Schuhe und Ausrüstungsgegenstände dargestellt. Ein schwieriges Unterfangen, da zwar Feuersteine und Faustkeile die zeit überstanden haben, organische Materialien aber nur selten, wie Historiker Achim Weber sagt. Weber ist Geschäftsführer der Stiftung und für die Archivierung der Fundstücke zuständig.
An zwölf Fundstellen konnte Schenkel Pfeilspitzen und Feuersteinsplitter früher Menschen sammeln. Diese Funde aus der Alt- und Mittelsteinzeit (10 000 bis 5 500 v. Chr.) zeigten, dass sich bereits früh Jäger und Sammler im Bereich der heutigen Großgemeinde aufhielten. Ergiebiger waren die Funde aus der Frühsteinzeit (5 000 bis 2 200 v. Chr.). Aus Bandkeramikscherben, nach ihrer typischen Verzierung so benannt, Ösenfragmenten irdener Töpfe und Siedlungslehm konnten frühe Siedlungen nachgewiesen werden. Damals wurden bereits mit einfachsten Mitteln Bäume gefällt und Ackerbau betrieben. Diese ersten Siedlungen befanden sich an den hochwasserfreien Rändern von Main, Rhein und Neckar.
Die Steinfunde und Pfeilspitzen wurden, um ihre Verwendung zu verdeutlichen, in Hölzer eingearbeitet. Auch einfache Ledereimer gibt es zu sehen. Auf fünf Informationstafeln werden die Steinzeit, Stiftung und Sammler Schenkel beschrieben. Mit Buntstiftzeichnungen wurde zudem das damalige Leben versucht zu rekonstruieren.
Der Fördervereins-Vorsitzende, Herbert Krug, dankte örtlichen Geschäften, die als Sponsoren die Ausstellung erst ermöglicht hatten. Bei den nächsten Öffnungsterminen werde sicher auch Eugen Schenkel anwesend sein, um über seine Funde zu erzählen. Zur Ausstellungseröffnung war er verhindert gewesen.
