Zukunftsfähiger als Photovoltaik
24.04.2010 - TREBUR
Von Detlef Volk
GEOTHERMIE Chancen und Risiken
auf Bürgerversammlung diskutiert
Mit Information aus erster Hand zum Thema Geothermie versorgte Gemeindevertretervorsteher Horst Staengle (CDU) die Treburer in einer Bürgerversammlung. Die Bürger machten hierbei vor allem Ängste deutlich, die sie vor Erdbeben haben, die durch die Bohrungen entstehen könnten, sowie vor Problemen mit dem Grundwasser.
Für Bürgermeister Jürgen Arnold (parteilos) bietet die Geothermie dagegen Chancen für die Weiterentwicklung der Gemeinde. Die Gemeinde hat sich um die Ausbeutung dieser Energieart im "Erlebnisfeld Trebur" beworben, die Entscheidung stehe kurz bevor. Die Gemeindevertretung setze auf erneuerbare Energien, weil sie von der Endlichkeit der Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas überzeugt sei.
Vorteile: Unabhängigkeit und pausenlose Energieerzeugung
Für Arnold sind entscheidende Argumente die dezentrale Versorgung mit erneuerbaren Energien und die Unabhängigkeit von begrenzten Lieferkontingenten, Preiskartellen und umweltschädlichen Stromgewinnung. Diese Unabhängigkeit schaffe Freiräume für selbstbestimmtes Handeln, erzielte Gewinne könnten für die Gemeinde eingesetzt werden.
Als Referent erläuterte Hydrogeologe Ingo Sass tiefe Geothermie. Seinen Vortrag leitete das Rissbild eines Hauses in Staufen ein, wo es Hebungen bei Oberflächengeothermie gab. Das Risiko werde durch die Eintrittswahrscheinlichkeit, multipliziert mit der Schadenshöhe definiert. Die Eintrittswahrscheinlichkeit könne durch Qualitätssicherung, die Schadenshöhe durch Ausführungstechnik gesenkt werden.
Tiefe Geothermie nutzt heißes Wasser aus rund 4000 Meter Tiefe, um Wärmeenergie und Strom zu erzeugen. Der Vorteil liege in der unerschöpflichen Nutzung, da Energie 24 Stunden am Tag zur Verfügung stehe. Trebur liege an einer günstigen geologischen Stelle durch Verwerfungen in der Tiefe. Hier gebe es genügend Abnehmer für die Wärme - ganz wichtig für die dezentrale Nutzung. Sass forderte die Abkehr von der Förderung der Photovoltaikanlagen und mehr Investitionen in die zukunftsfähigere Geothermie. Letztendlich sei Potenzial vorhanden, um ganz Deutschland zu versorgen, zeigte er auf einer Grafik. Risiken für durch die Bohrungen ausgelöste Erdbeben seien hier sehr, sehr gering, ließen sich aber nie ganz ausschließen. Probleme mit dem Grundwasser seien technisch zu lösen.
Nachteil: Erdbeben-Gefahr
nie ganz auszuschließen
Fürs Überlandwerk (ÜWG) erklärte Marc Glöckner das Projekt. Es werde das ÜWG rund 35 Millionen Euro kosten und soll 2013 in Betrieb gehen. Zurzeit werden auch Treburer Messungen ausgewertet. Danach erfolgen im Winter 3 D-Messungen, um den günstigsten Standort festzulegen. Die zwei Bohrungen werden je drei Monate dauern, der Kraftwerksbau etwa 18. Den Flächenverbrauch gab Glöckner mit 1 000 Quadratmetern an.
