Geschichtsunterricht zum Anfassen in der Mittelpunktschule Trebur
26.01.2012 - TREBUR
(da). Geschichtsunterricht zum Mitmachen und Anfassen gab es in dieser Woche an zwei Vormittagen für alle sechsten Klassen der Mittelpunktschule (MPS) mit dem „Mobilen Landschafts Museum“ (Molamu). Das war auf Inititative von Lehrerin Lisa Trautwein nach Trebur gekommen, um den Schülern die Steinzeit näher zu bringen. Hintergrund für das Projekt war, dass die Sechstklässer seit diesem Schuljahr Geschichtsunterricht auf ihrem Stundenplan stehen haben. Seit dem Herbst werde das Thema Steinzeit behandelt, das mit dem Projekt des „Molamu“ eine schöne Abrundung erfahre, sagte Trautwein.
Riesige Steinzeittiere wie Pferd und zotteliger Elefant hängen an der Wand der Schulturnhalle und sorgen für die geeignete Atmosphäre, um sich in die Steinzeit hineinversetzen zu lassen. Diplom-Geograf Dr. Holger Rittwenger, der die Idee für das „Molamu“ 2001 in die Tat umsetzte und seitdem schon in vielen Schulen vor allem in Hessen und Rheinland-Pfalz Station gemacht hat, hat jede Menge original Exponate und auch einige Nachbildungen mitgebracht, um den Kindern viel Hintergrundwissen zur Urgeschichte zu vermitteln.
Feuer machen ohne Streichhölzer
Zunächst bemalten sich die Schüler aber ihre Gesichter mit Erdfarben aus Kohle und Rötel mit Wasser vermischt. Breiten Raum nahm das Feuermachen ein, so wie es die Steinzeitmenschen machten - ganz ohne Streichhölzer und ohne Feuerzeug. Sie benutzten dafür Feuersteine und mussten einen Funken, der lange glühte, auffangen, um damit Zunder (sehr trockene Pflanzen) zu entzünden. Noch besser als trockene Pflanzen eignet sich dafür ein Baumpilz, der so genannte „Zunderschwamm“, den sich die Kinder ebenfalls anschauen konnten. Eine Muschel diente als Unterlage, die Glut ins Freie zu bringen, wo Rittweger damit ein Strohnest entzündete.
Von den Schülern selbst ausprobiert werden konnten so genannte „Feuerbretter“, die mittels einem kleinen Stock und Bogen erhitzt werden.
„Wir sind Halb-Neandertaler und sind alle Afrikaner“, erklärte Rittweger den Ursprung der Menschheit. Er demonstrierte Werkzeuge, Knochen und Geweihe aus jener Zeit, zeigte, wie Äxte und Klingen zugeschlagen wurden, und wie mächtig die Tiere damals waren. Aus einem Exponat, einem 500 000 Jahre alten Stein, sei das Handy - ein Werkzeug unserer Zeit - geworden. Die Steinzeitmenschen benutzten aber nicht nur Steine, sondern auch andere Materialien wie Holz, Leder, Knochen, Horn und mehr.
Die Kinder erfuhren, wie man aus Brennesselfasern Schnürseile, aus Birkenrinde Klebstoff und aus Tierfett Kerzen herstellte. Ausführlich demonstrierte Rittweger schließlich die Waffen jener Epoche, darunter einen 400 000 Jahre alten Speer, der in der Nähe von Braunschweig im Sumpf entdeckt wurde und als älteste Waffe der Welt gilt. Zum Abschluss durften die Kinder die Waffen auch ausprobieren.
