Von Alexandra Dehne
Auch im dritten Jahr ihres Bestehens ist die Nachfrage nach einem Platz an der privaten Obermayr Europa-Schule in Rüsselsheim ungebrochen. Etwa doppelt so viele Anmeldungen wie Plätze hätten vorgelegen, sagte Dr. Gerhard Obermayr im Gespräch mit der „Main-Spitze“. Dennoch bleibe man bei einer Klassengröße von 22 Schülern und der Einzügigkeit, sprich einer Klasse pro Jahrgangsstufe.
„Ich bin ein Anhänger der Realschule, sie ist für die breite Zahl von Schülern die richtige Schule“, teilt Dr. Obermayr den Massenandrang auf die Gymnasien – ausgelöst durch die Möglichkeit der Eltern auf freie Schulwahl – nicht. Seiner Ansicht nach verfüge die Realschule über ein ausgereiftes System, schließlich habe sie in den vergangenen 20 Jahren keinerlei Reform erfahren. Zudem werde vielfach übersehen, dass in Realschule und Gymnasium die gleichen Inhalte gelehrt würden, nur auf unterschiedlichen Lernniveaus.
Lehrer, die sich mit Schule identifizieren
Dass auch mit einem Realschulabschluss eine weiterführende Schullaufbahn möglich ist, zeige sich daran, dass der überwiegende Teil der Schüler nach der zehnten Klasse eine gymnasiale Oberstufe besuchen könne. Am Wiesbadener Standort hätten jetzt 78 Prozent des Jahrgangs diese Eignung erlangt.
Dr. Obermayr plädiert dafür, eher Realschule und Gymnasium unter einem Dach zusammen zu führen, als Haupt- und Realschule. Denn sollte die Hauptschule abgeschafft werden, führe diese damit verbundene „Schwächung“ der Realschule zwangsläufig dazu, dass es am Gymnasium parallel die Wahl geben müsse, die Schulzeit dort in acht oder neun Jahren zu bewältigen.
„Der überwiegende Teil der Eltern möchte G8 nicht mitmachen“, ist seine Erfahrung, warum diese ihre Kinder auf die private Realschule schickten. Es gebe zwar Schüler, die auch die verkürzte Schulzeit schafften, aber dies sei nicht der überwiegende Teil. Dem Eindruck, seine Privatschule würden nur Kinder aus „reichen Familien“ besuchen, widerspricht Dr. Obermayr. „Wir haben das bodenständige, konservative Publikum, das mit dem staatlichen Realschulangebot nicht zufrieden ist.“ 65 Prozent der Kinder kämen direkt aus Rüsselsheim.
Es komme auch darauf an, wie der Lernstoff durchgesetzt werde. So stelle er nur Lehrer ein, die sich mit dem Konzept seiner Schule identifizierten. „Die Menschen müssen sich für ihre Arbeit interessieren und nicht für die Planstelle.“ Es werde aber immer schwieriger, überhaupt Lehrer zu finden, beklagt er den Fachkräftemangel, der seiner Auffassung nach dadurch entstehe, dass viel zu wenig Referendariatsplätze angeboten werden.
Ab nächstem Jahr im Neubau
Die Obermayr Europa-Schule bietet zwar eine Betreuung bis 17 Uhr an, doch nenne man sich bewusst nicht Ganztagsschule. Denn solch eine hätte einen ganz anderen Anspruch an freizeitpädagogische Angebote. Statt dessen gebe es in Rüsselsheim nur die Möglichkeit, Förderkurse oder Arbeitsgemeinschaften zu besuchen.
Derzeit beheimatet ist die Schule im Stabsgebäude der ehemaligen Azbill-Kaserne. In diesen Tagen wird aber mit einem 1,2 Millionen Euro teuren Neubau auf ehemaligem Gelände der benachbarten TG Rüsselsheim begonnen. Ab dem nächsten Schuljahr findet der Unterricht dann dort statt, während das heutige Gebäude für Mittagessen und „Werkstatt“ für praktisches Arbeiten der Schüler genutzt wird. In dem dreigeschossigen Gebäude werden sechs Unterrichtsräume sowie Fachräume für Kunst, Musik sowie die Naturwissenschafen entstehen.
Vorerst reichten diese Räume, da derzeit nicht an eine Vergrößerung gedacht sei, so Dr. Obermayr. Je nachdem, wie sich die hessische Schulpolitik entwickle, könne man über die Zweizügigkeit nachdenken.
