Fußballfieber mit Schattenseiten
09.06.2010 - RÜSSELSHEIM
Von Dieter Ackermann-Girschik
AUSSTELLUNG Schulgruppen können sich im Jugendfreizeithaus Dicker Busch informieren
Auch die vielen Fans an den Rüsselsheimer Schulen fiebern derzeit der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika entgegen, die am Freitag, 11. Juni, endlich beginnt.
Doch wie leben die Menschen in dem ersten afrikanischen Gastgeberland in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften überhaupt? Und welche Geschäfte werden unter welchen Bedingungen jetzt in Südafrika und auch ansonsten rund um den Globus in Sachen Fußball gemacht? Auf diese Fragen gibt die Ausstellung „Fußballfieber am Kap“ des Werkhofs Darmstadt Auskunft, die von der Rüsselsheimer Jugendpflege für diese Woche, von Montag bis Donnerstagvormittag, in das Jugendfreizeithaus Dicker Busch geholt wurde.
Vorgestellt wird dabei zum Beispiel der junge Michael, der von einer Fußball-Karriere träumt, die seinem Vater als Schwarzem zu Zeiten der „Apartheid“, der jahrzehntelangen Rassentrennung in Südafrika, verboten wurde. An einer Weltkarte aus Filz sind die Gäste zudem aufgefordert, die Fähnchen der 36 Staaten, deren Nationalteams sich für die WM qualifizierten, an die jeweils richtige Stelle auf den Kontinenten zu stecken. Auch die Standorte der WM-Stadien in Südafrika lernen die Besucher der Ausstellung kennen und erfahren darüber hinaus Wissenswertes über die aktuelle Situation in diesem Land.
Öffentlich zu sehen ist die Ausstellung allerdings nicht. Die Verantwortlichen im Jugendfreizeithaus Dicker Busch haben vielmehr den Rüsselsheimer Schulen das Angebot gemacht, mit den Schülern in die Ausstellung zu kommen. Und dem folgen diese Woche insgesamt elf Klassen aus der Alexander-von-Humboldt- und der Friedrich-Ebert-Schule.
„Wir wollen bei aller Vorfreude, die wir auch selbst auf die Fußball-WM haben, die Schüler mit dieser Ausstellung ebenso auf kritische Aspekte des weltweiten Fußballfiebers aufmerksam machen“, verwies Gebhard im Gespräch mit der „Main-Spitze“ auf Stationen der Schau, bei denen es um die eher unerfreulichen Seiten dieses Geschäfts geht.
So informiert die Ausstellung etwa über Kinder in Pakistan, die Marken-Fußbälle produzieren, um einen Beitrag zum Einkommen ihrer Familien zu leisten - und stellt dem die Möglichkeit des fairen Handels gegenüber. Denn diese Kinder und ihre Familien bleiben trotz Arbeit so arm, dass sie sich die edlen Bälle, die sie produzieren, nicht leisten können. Daher fertigen sie ihre Bälle zum Kicken aus Zeitungspapier an, das sie mit Paketklebeband umwickeln.
