Im Prozess um Drogenschmuggel in Lkw Zeugen in Rüsselsheim vernommen
12.03.2010 - RÜSSELSHEIM
Von Jan Wüntscher
Die ersten Zeugen konnten am Donnerstag am dritten Prozesstag gegen drei Männer, die über einen Rüsselsheimer Supermarkt fast 700 Kilo Heroin aus der Türkei in die Niederlande geschleust haben sollen, vor dem Landgericht Darmstadt vernommen werden. Zunächst wurden mehrere Mitarbeiter und Lieferanten des Marktes in der Liebigstraße befragt. Sie hatten von den Drogengeschäften zwischen Dezember 2006 und September 2007 nach eigenen Angaben nichts mitbekommen.
Das Heroin war in Sporttaschen verpackt zwischen Kohlköpfen geschmuggelt worden, offenbar weil die Paletten für dieses Gemüse als einzige kartoniert waren, man also nicht zwischen den einzelnen Steigen hindurchschauen konnte. Beobachtet hatten einige der Befragten Streitereien zwischen den Angeklagten und einem ihrer Abnehmer aus den Niederlanden. Dieser – Spitzname: „Der Gutaussehende“ – soll vorgehabt haben, den Supermarkt zu erwerben. Nach einer besonders heftigen Auseinandersetzung in Rüsselsheim hatte ihn einmal die Polizei mitgenommen.
Anschließend kam es offenbar zu Bedrohungen gegen seine einstigen Geschäftspartner. Von und zu einem zwischenzeitlich in Belgien eröffneten Laden des Mannes seien außerdem mehrfach größere Geldsummen in bar überbracht worden – angeblich aber für Warenlieferungen. Der Gewinn des Rüsselsheimer Geschäfts sei „nicht sonderlich hoch“ gewesen, berichtete ein 44-jähriger Steuerfachangestellter, der die Bücher geführt hatte.
Keine Zeit sich mit Lieferanten zu befassen
Gehört wurden am Donnerstag außerdem die Ermittlungsbeamten des Landeskriminalamts, die nach der Inhaftierung der holländischen Heroin-Empfänger durch ihre dortigen Kollegen informiert worden waren. Die Lieferanten aus Deutschland hatte man trotz Observierung unbehelligt wieder zurückreisen lassen. Anscheinend war angesichts der Vielzahl von Festnahmen aus dem Umfeld des Hauptabnehmers keine Zeit, sich mit Ihnen zu befassen. Zu den Drahtziehern ist nach Einschätzungen der Polizei keiner von ihnen zu zählen.
Auch der Inhaber des Rüsselsheimer Supermarkts sei lediglich „ein kleines Rad im Getriebe seiner Familie“ gewesen, die Einnahmen im Wesentlichen in die Türkei abgeflossen. Dort lag womöglich auch der Auslöser für den Drogenhandel. Schon 2002 soll nämlich ein Lkw der familieneigenen Spedition mit einem Bus zusammengestoßen sein, 15 Tote habe es gegeben. Für die Zahlungen an die Hinterbliebenen sei dringend Geld benötigt worden.
In den polizeilichen Vernehmungen waren alle drei Angeklagten „relativ kooperativ“. Einer hatte zunächst auch einen der Hintermänner in der Türkei benannt, weigerte sich aber vor Gericht, dies zu wiederholen – aus Angst um seine Familie.
