Sonnen in der Schönheit der Modelle auf der Carmania-Messe in Rüsselsheim
08.03.2010 - RÜSSELSHEIM
Von Claus Langkammer
Ulli Kling, Chef der Carmania-Modellautobörse, muss nicht überlegen. „Da gehen Sie zu dem mit dem kurzärmeligen weißen Hemd.“ Und in der Tat, der solcherart Bezeichnete stellt im Getümmel unter den Beschickern der Klein-Klein-Faszinationsmesse auf dem Opel-Gelände eine Besonderheit dar. Bei Volker Hemberger, Bauschlosser aus Frankfurt, seit sechs Jahren „Börsianer“, Sammler seit 25 Jahren, darf man „nur gucken, nicht anfassen“.
Seine Schätze transportiert er mit einem Firmenbus an den Ort des Geschehens in N 50, höchstamtlich genehmigt vom Chef. Börsen-Beschicker Hemberger beteiligt sich allerdings nicht am schnöden Börsen-Mammon. Er verkauft nicht, sondern er zeigt her, was er hat, ein Modell schöner als das andere, lauter Opels, Designs aus vergangener Zeit, unerreicht, unverwechselbare Formen, nach denen man sich heutzutage umdreht, so sie im Straßenbild auftauchen.
Modelle werden nur mit Handschuhen angefasst
Man könnte sagen, der Sammler Hemberger sonnt sich in seinen Blickfängen. Und obwohl das Schild „Nicht berühren“ deutlich sichtbar prangt, bleibt es nicht aus, dass die Besucher dennoch lästige Fingerabdrücke hinterlassen, Modelle in die Hand nehmen und fragen, was es kostet. „Viele greifen zu“, berichtet der Carmaniast, „da muss man ein wenig die Stimme erheben.“
Wenn die Herrschaften wüssten: Sammler und Pfleger Hemberger fasst seine von ihm selber natürlich als Kostbarkeiten empfundenen Modelle nur mit ganz dünnen Handschuhen an. Daheim stehen sie in Glasvitrinen, durch Jalousien geschützt, „damit kein UV-Licht ’reinkommt“.
Jetzt fehlt nur noch der gelbe GTI
Commodores, Kapitäne, die C-Kadett-Reihe („Von denen fuhr ich vier Stück eins zu eins“), Mantas, Speedster – es sind eben seine Kronjuwelen. Im Maßstab eins zu achtzehn. Warum nicht eins zu zwanzig oder einundzwanzig? „Es ist eine ideale Maßstab-Größe.“ Sie bewahrt das Schöne des Modells und zaubert selbst kleine Dinge wie Luftfilter oder Kühler noch ansehnlich vors Auge.
Die unausbleibliche Frage „nach dem Kind im Manne“ beantwortet der Frankfurter Opel-Fahrer und nach den Worten Ulli Klings „Opeler mit Leib und Seele“ wie folgt: „Das ist halt so. Das kann man schlecht erklären. Wenn ich Opel-Autos sehe, geht mir das Herz auf.“
Freilich, er kennt auch die eher düsteren Seiten des Geschäftes. „Die E-Bay-Preise – da fasst man sich an den Kopf. Ich weiß ja durch meine Kontakte, was Modelle normalerweise kosten.“ A propos. Lange, sehr lange hat er einen C-Kadett GTE gesucht. Und in der Halle N 50 gefunden.
Und was sucht man derzeit? „Einen gelben GTI. Bloß, den findet man nicht so leicht, weil er sehr teuer ist.“ Aber: „Eile mit Weile, so ernst ist mir das auch nicht“, bekundet der Modellauto-Fan mit den weichen Handschuhen. „Da kann man ruhig ein paar Jahre warten.“
