Von Ralf Schuster
Über E-Mails, die gestern in Kreisen der IG Metall und des DGB sowie des Betriebsrates bei Opel sowie auch an die Presse verschickt wurden, ist ein Mitglied der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) im Autowerk, der diesem elfköpfigen Gremium seit Oktober vorigen Jahres angehört, bezichtigt worden, rechtsextremen Kreisen anzugehören.
Es wird angeführt, dass er in einer Internet-Community ein Nazi-Motto als Beschreibung für sich angegeben habe, außerdem eine auf dem Index stehende Rechtsrockband, deren Mitglieder wegen Volksverhetzung verurteilt wurden, als Lieblingsgruppe angebe, weiterhin zwei NPD-Musiker.
Nicole Mey, die Vorsitzende der gewerkschaftlichen Vertrauensleute bei Opel, bestätigte gestern auf Anfrage, dass es bei der Wahl der JAV schon entsprechende Verdächtigungen gegeben habe, daraufhin habe man alle Kandidaten die Betriebsvereinbarung von 2007 zu Chancengleichheit und respektvoller Zusammenarbeit wie eine eidesstattliche Erklärung unterschreiben lassen. Diese nennt Grundsätze für die Unternehmenskultur und schließt ausdrücklich Rassismus-Tendenzen aus.
Es seien ihr auch keine Vorfälle dieser Art aus dem Bereich bekannt, sagte Mey. Gesinnung allein sei noch kein Grund einzugreifen, nur entsprechendes Handeln. Die IG-Metall-Sprecherin im Werk kündigte aber an, die geschilderten Vorwürfe zu überprüfen: “Wir werden dem nachgehen". In der E-Mail heißt es auch, der Werkzeugmechaniker-Azubi, der das sechstbeste Wahlergebnis hatte, falle durch das Tragen rechter Modemarken auf, die zum Beispiel im Bundestag und diversen Fußballstadien verboten seien.

Wie in der DDR
Wird man bei Linksextremen Tendendenzen auch so hellhörig? Ist der mutmaßliche Rechtsextreme jemals bei Opel politisch agitierend aufgefallen? Dieser "Kampf gegen Rechts" artet in ein übles Denunziantentum aus, mit dem man jeden Missliebigen sozial und beruflich erledigen kann. Das schafft ein ungesundes Gesellschaftsklima. Wollen wir das?