Rüsselsheim: Grüne nominieren Dennis Grieser als Bürgermeister-Kandidaten
23.02.2012 - RÜSSELSHEIM
Von Alexandra Dehne
Nach Patrick Burghardt (CDU), der mit 31 Jahren Oberbürgermeister geworden ist, könnte nun auch sein Stellvertreter zu einem weiteren Generationenwechsel an der Rathausspitze beitragen. Die Grünen haben nämlich am Mittwochabend bei einer Mitgliederversammlung ihren Fraktionsvorsitzenden Dennis Grieser zum Kandidaten für die Bürgermeisterwahl gewählt. Die Nominierung des 32-Jährigen verlief mit 19 Ja-Stimmen, einer Enthaltung und keinerlei Diskussionen äußerst einmütig. Die Frage nach einem Gegenkandidaten gab es nicht.
„Obwohl er noch sehr jung ist, ist Dennis eine feste politische Größe in Rüsselsheim“, würdigte Parteisprecherin Maria Schmitz-Henkes den Fachanwalt für Familienrecht. Seit elf Jahren sei er Stadtverordneter, davon fünf Jahre als Fraktionschef. Zuvor habe er Erfahrung im Landesvorstand der Grünen Jugend sowie in Mainz gesammelt, wo er geboren wurde, ehe er 1999 nach Rüsselsheim zog. „Wir kennen Dennis, wir wissen, was er kann und wo seine Stärken liegen“, begründete Schmitz-Henkes den einstimmigen Vorschlag des Parteivorstands. Er sei ein kluger Taktiker, guter Stratege und sehr brillanter Redner, der im nötigen Augenblick wisse, Schärfe, aber auch genügend Rückgrat zu zeigen, lobte nicht nur sie. Gerade in schwierigen Situationen habe er bewiesen, dass er in der Lage sei, Kompromisse zu finden, mit anderen zu teilen und auch durchzusetzen. Bürgermeister Jo Dreiseitel bezeichnete Grieser als „würdigen Nachfolger“, der ein „exzellenter Repräsentant grüner Politik“ sei. Der 59-Jährige, dessen Amtszeit Mitte Oktober endet, hatte entschieden, nicht mehr für eine dritte Amtszeit zu kandidieren.
Der "großen Fußstapfen bewusst"
„Ich bin mir bewusst, in welch große Fußstapfen ich treten würde“, freute sich Grieser angesichts der Vorschusslorbeeren. Er habe eigentlich einen anderen persönlichen Lebensweg geplant gehabt, hat er doch seit sechs Jahren mit zwei weiteren Juristen eine Kanzlei in Rüsselsheim. Da aber die Politik, die er seit fast 18 Jahren betreibe, immer noch seine „innere Leidenschaft am Kochen“ halte, und es immer schwieriger werde, Beruf Jurist und Hobby Stadtverordneter zeitlich zu koordinieren, habe er sich entschieden, den Sprung in die Berufspolitik zu wagen. „Ich habe Lust, die ganze Arbeitskraft in die Politik zu stecken“, sieht er dadurch auch ganz andere Ressourcen. Er habe sich dies gut überlegt, schließlich stehe man als Hauptamtlicher anders in der Öffentlichkeit.
Zur Zusammenarbeit mit OB Burghardt sagte Grieser, dass es persönlich zwischen ihnen sehr gut funktioniere, es politisch aber sicherlich Reibungspunkte gebe, was in den nächsten Jahren auch spürbar werde. Er sei aber wegen der persönlichen Ebene sicher, dass eine kollegiale Zusammenarbeit funktionieren könne.
"Eingefahrene Spuren verändern"
Folkmar Schirmer, der derzeit das Baudezernat führt, sieht auch eine Chance, „eingefahrene Spuren“ im Rathaus zu verändern. Mit dem im Januar ins Amt gekommenen neuen OB erlebe man derzeit bereits, was sich im Rathaus alles ändere und es sei daher gut, wenn Grieser von relativ Beginn an mit dabei sei. Vielleicht erkenne die CDU dann auch, dass es wichtig sei, für die anstehenden großen Projekte auf breite Mehrheiten zu setzen, so Schirmer zu den Mehrheitsverhältnissen.
Die Wahl des Bürgermeisters erfolgt in der Stadtverordnetensitzung am 19. April, ebenso wie die eines hauptamtlichen Stadtrats. Die Mehrheitsfraktionen SPD und Grüne, die zusammen 24 der 45 Sitze haben, hatten sich zuvor über die Vergabe der Posten verständigt.
