Zweimal Straße aufgerissen in wenigen Monaten - Rüsselsheimer sauer auf Stadtwerke
28.01.2012 - RÜSSELSHEIM
Von Ralf Schuster
Dass eine Straße zweimal hintereinander aufgerissen wird und man damit öffentliche Gelder verschwendet, das ist ein Standard-Vorwurf gegen Behörden. Derzeit ereignet sich so etwas in Rüsselsheim in der Richard-Wagner-Straße. Die Anwohner sind sauer. Seit ein paar Tagen sind Baumaschinen vor ihren Häusern aufgezogen, Arbeiter heben Löcher aus – und zwar genau an der Fahrbahnseite, die vor wenigen Monaten schon einmal aufgebuddelt worden war. Das ist noch gut zu erkennen. Verursacher sind die Stadtwerke, die hier neue Gas- und Wasserleitungen verlegen. Deren Sprecher Jürgen Gelis sagt allerdings, die Vorgehensweise sei „nicht ungewöhnlich“.
"Doppelte Kosten und doppelte Belästigung"
Die Anwohner sind da anderer Meinung: „Exakt die gleiche Nummer nochmal“, beschreibt es einer, der auch im Baufach tätig ist und einschätzen kann, was die erneute Einzäunung der Löcher mit jeweils sechs Gittern samt An- und Abtransport kostet, ebenso, wie das Erdmaterial zuerst per Handarbeit ausgehoben, dann abgefahren wird, um später dann neuen Sand zum Auffüllen herbeizutransportieren, und zwar alles zweimal im relativ kurzen Zeitraum.
Ganz abgesehen von den Belästigungen. Schon früh morgens fing der Wecker auf dem Nachtisch an wegzulaufen, wegen der Erschütterungen durch die Rüttelmaschine. Und nachdem es vorbei war, geht es jetzt erneut los. „Doppelte Kosten und doppelte Belästigung“, lautet das Urteil. Das bezieht sich ebenso auf die wegfallenden Parkmöglichkeiten und „Lärm, ohne Ende“. Dabei waren die Bewohner schon gebeutelt durch die langanhaltende Baustelle auf der angrenzenden Walter-Flex-Straße.
Beschwerde ans Tiefbauamt
Durch die Bautätigkeit in der Richard-Wagner-Straße hat einer der Anwohner sogar deutliche Risse an der Wand seines Wohnzimmers. Er hat eine Beschwerde ans Tiefbauamt geschickt – und mittlerweile seien auch Leute dagewesen, um sich das anzusehen, allerdings ohne Anmeldung, sodass er selbst nicht da war. Er erinnert sich indes noch gut an das Jahr 2000, als er das Haus gebaut habe. Da sei der Bürgersteig davor auch dreimal geöffnet worden innerhalb von eineinhalb Monaten.
Stadtwerke-Sprecher Gelis verweist darauf, dass bei den ersten Tätigkeiten an der Hauptleitung schlechte Witterung dazwischen gekommen sei. Deshalb habe man die Arbeiten nicht an einem Stück durchführen können und die Löcher wieder „provisorisch verfüllt“. Die Straße sei aber weiterhin als Baustelle deklariert gewesen. Was hier vorgehe, sei „sicherlich ein Stück teurer“, von Mehrkosten will Gelis aber nicht reden, weil man damit ja gerechnet habe: „Das ist normaler Arbeitsablauf“. Im zweiten Abschnitt werden nun die Hausanschlüsse noch erstellt. Der Sprecher zeigt Verständnis für Kritik der Anwohner, für die Stadtwerke sei das Vorgehen aber nichts Besonderes. Natürlich sei es das Bestreben, solche Baustellen „möglichst zügig am Stück“ abzuwickeln, aber das sei eben nicht immer möglich.
