Schreibwerkstatt an der Rüsselsheimer Humboldtschule existiert seit zehn Jahren
27.01.2012 - RÜSSELSHEIM
Von Michael Schneider
30 junge Autoren der Alexander-von-Humboldt-Schule haben am Mittwochabend ihre Schreibkunst unter Beweis gestellt. Sie präsentierten eigene Texte, die in der „Schreibwerkstatt“ entstanden sind - einem Intensivkurs für Nachwuchs-Literaten, den die Schule bereits seit zehn Jahren veranstaltet.
Durch den Abend führte Nevfel Cumart, Autor und jährlich Kursleiter bei der Schreibwerkstatt. An drei Tagen hatte er mit den Schülern das Verfassen von Geschichten und Gedichten geübt, sie in Stil und Grammatik beraten und ermutigt, eigene Ideen umzusetzen. „Schreiben und Literatur brauchen Zeit“, so der Autor. Die Texte seien also noch in der Entstehungsphase.
Begeisterter Applaus für phantasievolle Geschichten
Kostproben gab es am Mittwoch trotzdem schon zu hören. Schüler der siebten Klassen lasen Auszüge aus ihren Geschichten, die sich zum Beispiel um Fantasien rankten. Da ging es um Pferde, Geister, mysteriöse Blutspuren oder Geheimagenten. Ebenso waren nachdenklichere Texte dabei, die sich mit Vernachlässigung und Chat-Bekanntschaften beschäftigten. Und wieder andere Schüler erzählten Geschichten aus der Sicht eines Apfels oder einer Schildkröte. Einige Siebtklässler hatten sich mit dem Thema Heimat auseinandergesetzt. So wünschte sich Nada zurück in ihr Geburtsland Marokko, während Mitschülerin Farah sich in Deutschland am wohlsten fühlt. Ihre Definition von Heimat: „Ich brauche keinen Stadtplan!“
Für die Achtklässler gehörte der Auftritt schon zur Routine: Sie hatten bereits im vergangenen Jahr an der Schreibwerkstatt teilgenommen. Dieses Jahr ging es bei ihnen um die Liebe - meist in Gedichtform. Im Publikum ernteten die jungen Autoren begeisterten Applaus. Auch Kursleiter Cumart zeigte sich sichtlich stolz auf die jungen Nachwuchstalente. Denen musste er manches Mal gut zureden, um ihnen das Lampenfieber zu nehmen. Wichtig sei in erster Linie das Wohlfühlen, betonte Cumart: „Es gibt keinen Zwang in der Schreibwerkstatt“.
Musikalisch begleitet wurde das Programm von Dieter Schönitz, der mit Gitarrensongs und hessischer Mundart unterhielt. Gezeigt wurde außerdem eine Ausstellung von Schülerkunstwerken.
Insgesamt ein gelungener Abend, freute sich am Ende Manfred Pöller. Der Lehrer organisiert jährlich die Schreibwerkstatt. Es gehe vor allem darum, Selbstvertrauen und Kreativität zu vermitteln, „damit Fantasie und Gefühle sichtbar werden können“. Damit man sie auch nachlesen kann, werden alle Texte in einem Gedichtband veröffentlicht.
