Bauschheimer Jugendwehr entzündet großes Christbaum-Feuer
16.01.2012 - RÜSSELSHEIM
Von Claus Langkammer
BAUSCHHEIM Jugendwehr entfacht großes Feuer auf einem Acker / Publikum wärmt sich mit Glühwein
Auf dem betonierten Weg zwischen Eselwiese und Wingertsgewann steht halb Bauschheim in der abendlichen Dunkelheit und schaut dabei zu, wie die Feuerwehr das Gegenteil von dem tut, wozu sie da ist: Sie entfacht Feuer. Ein gewaltiger Haufen von Weihnachtsbäumen verwandelt sich in ein noch gewaltigeres Flammenmeer.
Für die örtliche zwölfköpfige Jugendfeuerwehr ist das eine Sache von Minuten. Jugendwart Christian Drothler und sein Kamerad Leonhard Kirchner schnappen sich den Dachpappenbrenner und marschieren zu jener Stelle auf den Acker, an der die Betriebshöfe die Bäume abgeladen haben. Zugführer Reinhard Gimbel bedauert ausdrücklich, dass man diesmal auf eigentlich unentbehrliche Helfer habe verzichten müssen - auf die Kinder. Die dürfen in Bauschheim hinter dem Wagen hergehen und die Bäume in die Presse werfen. „Es sind ja keine Schulferien mehr, und wenn die Bäume aufgeladen werden, sitzen die Kinder in der Schule.“
Haben früher Teelichter den Weg zum Großfeuer gesäumt, so sind es diesmal widerstandsfähige Fackeln entlang der Straße. „Die Teelichter sind immer ausgegangen“, berichtet der Jugendwart. Auch hat er der seelenlosen Generatorenbeleuchtung die Dunkelheit vorgezogen, damit es ursprünglicher und gemütlicher ist.
Am Ende ist es eine mehrstündie Flammennarbe
Doch zurück zum Dachpappenbrenner. Ein kurzes Fauchen, und der Feuerwehrmann hält die Flamme ins harzriechende Dunkelgrün. Es knistert, Flämmchen lecken und züngeln und schlagen hoch, es werden Flammen daraus, rundherum frisst sich das Feuer in den düsteren Weihnachtsbaumberg. Am Ende ist es eine riesige mehrstündige Flammennarbe. Und im gebührlichen Abstand dazu, der später allerdings zusammenschmilzt, trinken die Besucher Glühwein und schauen und schauen. In ihren Augen spiegelt sich das Feuer. Da ist es wieder, dieses archaische Erlebnis. Erstmals übrigens brennt es nicht am gewohnten Ort; denn dort wird dieses Jahr Spargel angebaut. „Sonst gibt es ja im Boden“, sagt Reinhard Gimbel, „gegarten Spargel.“ Was man im Angesicht des Feuers empfindet? Für den Ortsvorsteher Werner Stahl ist „Weihnachten vorbei, alles beginnt neu“.
Andere Stimmen: „Gott, Lagerfeuerromantik.“ - „Gute Idee, bevor man es schreddert, zeigen, wie der eigene Tannenbaum in Flammen aufgeht...Drei haben ihren Baum noch mitgebracht. Die haben vergessen, ihn ‘rauszustellen.“ - „Wärmend, innerlich wie äusserlich...mein Sohn hat sich schon den ganzen Tag drauf gefreut.“ Gesprächsfetzen vorne an der Straße, wo die Autos parken: „Guck mal, da gucken welche aus dem Fenster zu.“ - „Ei, dene’ entgeht was.“
