Die Lust am Verrücktsein
12.05.2011 - RÜSSELSHEIM
Von Michael Schneider
DISKUSSION Manager und Wissenschaftler debattieren über das „Auto als Ikone“
Was macht ein Auto zur Ikone? Darum ging es am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion im Opel-Altwerk. Einen „Dialog zwischen Kunst, Marketing und Design“ führte ZDF-Moderator Volker Panzer mit prominenten Gästen: Geladen waren Opel-Marketingchef Alain Visser, Opel-Designchef Mark Adams, der Karlsruher Kunstwissenschaftler Beat Wyss und der Buchautor Matthias Penzel. Vor etwa 40 Zuhörern sprachen sie über Geschichte und Zukunft des Automobildesigns. Eingebettet war die Veranstaltung dabei in die Ausstellung „Träume des Adam“ des Künstlers Hans Diebschlag.
Auto-Formen folgen immer mehr dem Mainstream
Zunächst galt es zu klären, was an einem Auto überhaupt ikonenhaft ist. Wyss behauptete, Menschen könnten sich mit ihren Fahrzeugen identifizieren. Dies sei aber erst nach dem Weltkrieg mit der Massenherstellung möglich geworden. Lange diente das Auto dazu, ein ganz besonderes Lebensgefühl auszudrücken, erklärte Wyss. Inzwischen sehen für ihn aber alle Autos gleich aus. Eine „Vermainstreamung der Form“ nennt der Kunstprofessor dieses Phänomen.
Ähnliches beobachte auch Mathias Penzel. Der Autor hatte sich für seine „Auto-Biografie“ intensiv mit der Kulturgeschichte des Autos auseinandergesetzt. Er weiß ganz genau, wie bestimmte Modelle im Nachkriegsdeutschland zu Ikonen wurden. Gerade Autos wie der Mini oder der Opel Kapitän hätten immer ein Gefühl von Freiheit vermittelt, sagte Penzel. Für solche Designs gehöre ein bisschen Verrücktheit bei den Herstellern. „In den letzten Jahren ist die Lust am Verrückten aber zurückgegangen“.
Wie wenig Raum die moderne Autoindustrie für verrückte Designs lässt, erklärte Mark Adams. „Ich habe nicht die Freiheit, alles zu machen, was ich will“, sagte der Chefdesigner. Design sei heute schwieriger, weil enge Sicherheitsvorschriften beachtet werden müssten. Darum glaubt Adams auch daran, dass in Zukunft eher die Technik zur Ikone wird. Bei Opel habe zum Beispiel das neue Elektroauto Ampera das Zeug dazu. Auf historischen Lorbeeren, wie den erfolgreichen Opel-Modellen der 1960er Jahre, will Adams sich darum nicht ausruhen: „Wir schauen eher nach vorne, denn unser Unternehmen erfindet sich gerade neu.“
Visser will „Loyalität und Leidenschaft“
Für Marketingchef Visser ist es genau dieser Unternehmergeist, der eigentlich Opel selbst zur Ikone mache. Er bewunderte den Rückhalt der Autobauer in der Bevölkerung. Bei den „Wir sind Opel“-Kundgebungen habe er „Tränen in den Augen gehabt“. Damals habe sich ausgezahlt, nicht nur Autos für die reiche Oberschicht zu bauen. Einer breiten Kundschaft neuste Technik und modernstes Design zu bieten, das ist für Visser daher „die Seele Opels“.
Und auch auf die Frage eines Zuhörers, wie man dieses Potential zukünftig nutzen könne, hatte Visser eine Antwort parat: „Loyalität und Leidenschaft“ seien die Chancen, die nun „das Signal für ein neues Opel geben“.
