Kein Zwang im Glauben
21.10.2010 - RAUNHEIM
ISLAM Ahmadiyya-Gemeinde diskutiert muslimisches Frauenbild
(red). „Zwang im Islam“ war das Thema eines Informationsabends, zu dem die Frauenorganisation der Ahmadiyya-Gemeinden in der Region Rüsselsheim in ihr Raunheimer Kulturzentrum im ehemaligen Kreissparkassengebäude in der Jakobstraße eingeladen hatte.
Immer wieder sei die Rede von unterdrückten muslimischen Frauen, die zwangsverheiratet würden und von Frauen die getötet würden, weil sie sich weigerten das Kopftuch zu tragen, beschrieb die Beauftragte für den Interreligiösen Dialog im Raum Rüsselsheim, Munnazza Aqil Khan, den Anlass für einen solchen Informationsabend. Vor diesem Hintergrund hinterfragten die 14 teilnehmenden Musliminnen, ob der Islam eine patriarchalische und barbarische Religion mit völlig veralteten Rollenvorstellungen für die Frau sei und was die Lehre des Islams zum Thema Gewalt und Zwang gegenüber Frauen aussage.
„Es soll kein Zwang sein im Glauben“ heißt es in Sure 2, Vers 257 des Koran. Allein dieser Vers bedeute schon, dass der Islam auch eine Zwangsheirat nicht erlaubt. Und arrangierte Ehen könnten nur durch die Zustimmung beider möglichen Ehepartner geschlossen werden. Das sei mit modernen Partnervermittlungs-Webseiten vergleichbar, wo Nutzer Profile mit ihren Interessen, Vorlieben und Zukunftsplänen anlegen und sich entsprechend Partner vermitteln beziehungsweise „arrangieren“ lassen. Bei den arrangierten Ehen, wie sie unter Muslimen häufig vorkommen, verhalte es sich genauso. Jedoch seien hier Eltern und Familienmitglieder Vermittler.
Ähnlich verhalte es sich mit dem Kopftuch-Zwang: Wenn laut Koran kein Zwang im Glauben sein darf, so gelte das für sämtliche Angelegenheiten im Glauben, auch für das Kopftuch. Im übrigen trugen die Teilnehmerinnen an diesem Abend, an dem sie ohne Männer unter sich blieben, keine Kopftücher, sondern traditionelle, aufwändig und bunt bestickte Trachten. Nach den Ausführungen der Referentinnen war Raum für Fragen und Diskussionen.
In den Gesprächen stellten die Gäste fest, dass die islamische Lehre nicht frauenfeindlich sei.
