ALTKLEIDERKÖRBE Namen des Stolberger Tierschutzvereins missbraucht / Anwohnerin wird misstrauisch
(mka). Im Stadtgebiet ausgeteilte Wäschekörbe, über die im Namen eines Tierschutzvereins zur Schuh- und Kleidersammlung auffordert wird, haben in den vergangenen Tagen den Argwohn einer aufmerksamen Bürgerin in der Goethestraße erregt. Auf Gehwegen und in Hauseingängen aufgestellte Behälter waren vom Wind durch die Gegend gewirbelt worden, landeten mitten auf den Wegen und flogen dabei auch gegen geparkte Fahrzeuge. Über eine an den Körben genannte Telefonnummer versuchte die Frau herauszufinden, wer gegebenenfalls haftbar zu machen ist, wenn es zu einer Beschädigung an einem Fahrzeug kommt oder jemand über einen Korb fällt, der auf dem Weg liegen geblieben ist. Die Anruferin landete auf einer Mailbox, wo ihr mitgeteilt wurde, dass "keine weiteren Nachrichten im Empfang" genommen werden.
Weitere Recherchen der neugierig gewordenen Frau im Internet ergaben eine Fülle beunruhigender Informationen über den genannten Verein. Nachzulesen ist dort unter anderem auch, dass sich der als Empfänger genannte Stolberger Tierschutzverein von der Sammlung distanziert. Wer sich den Informationszettel im Wäschekorb genau anschaut, kann feststellen, dass sich der Organisator den Verein zunutze macht, denn ganz unten rechts heißt es, dass es sich um eine gewerbliche Sammlung handelt.
Die nunmehr neugierig gewordene Bewohnerin wandte sich anschließend mit ihrer Beobachtung an das Ordnungsamt der Stadt Raunheim, wo ihr von Ordnungsamtsleiter Peter Mratschek mitgeteilt wurde, dass der Ordnungsbehörde die Hände gebunden seien. "Wir sind nicht die Genehmigungsbehörde", erklärte Mratschek auch auf Nachfrage der "Main-Spitze". Seine private Meinung sei es, dass man Organisationen, die man nicht kenne, besser nichts zukommen lasse. Der Ordnungsamtsleiter geht davon aus, dass der Begleittext in dem Wäschekorb "juristisch abgeklopft" ist. Die bei der Behörde vorliegende "Negativliste" enthält ebenfalls keine Angaben über den Organisator der Altkleidersammlung. In der "Negativliste" werden jene aufgeführt, die bereits auffällig geworden sind.
Von der "Main-Spitze" auf die möglicherweise dubiosen Hintergründe aufmerksam gemacht, versuchte sich Mratschek dennoch Klarheit über den Vorgang zu verschaffen. Auch er scheiterte dabei an der mehrfach angewählten Telefonnummer. Mratschek kündigte an, die Mitarbeiter etwas sensibilisieren zu wollen. Wenn man ihrer habhaft werden könne, wolle man Personen, die solche Körbe einsammeln, nach einer Genehmigung befragen und gegebenenfalls auch die Personalien aufnehmen.
Die Bürger werden vom Ordnungsamt ebenfalls zur Zusammenarbeit aufgerufen: Sie sollen Beobachtungen melden. Verfügt eine Organisation, die eine solche Sammlung im Stadtgebiet durchführt, über keine Genehmigung, kann ein saftiges Bußgeld verhängt werden.
