Von Michael Kapp
Bürgermeister Jühe sieht bei Integration alle Seiten in der Pflicht / Studie bereitet Sorgen
RAUNHEIM. "Je besser alle ausgebildet sind, um so besser tut es der Stadt", erinnerte Bürgermeister Thomas Jühe in der jüngsten Komfor-Sitzung an die Anstrengungen, die von der Stadt im Rahmen des Bildungskonzepts unternommen werden.
Jühe reagierte damit auf die Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung zur Lage der Integration in Deutschland. Darin heißt es unter anderem, dass die Türken, die hinter den vier Millionen osteuropäischen Aussiedlern in Deutschland mit knapp drei Millionen Menschen die zweitgrößte Gruppe ausmachen, die am schlechtesten integrierte Gruppe in Deutschland seien.
Komfor-Mitglied Raif Aktürk, der sich über das Ergebnis der bundesweiten Studie entsetzt zeigte, tröstete sich damit, dass bei der Studie nur ein Prozent aller Zuwanderer genauer unter die Lupe genommen wurden. Obwohl das Ergebnis für ihn "besorgniserregend" seien, dürfe man diese dennoch nicht verallgemeinern. Den Empfehlungen des Instituts folgend, das vorschlägt die Migranten mit ins Boot zu holen, sieht Raif Aktürk die Stadt bereits auf dem richtigen Weg. Es seien in der Stadt "beachtliche Ergebnisse" erzielt worden, von denen auch die deutschstämmige Bevölkerung profitiere.
Weitgehend einig waren sich die Kommissionsmitglieder darin, dass die Integration sehr viel leichter fallen würde, wenn sie auch immer das Gefühl hätten, bei der deutschen Bevölkerung willkommen zu sein. Dazu könne auch die Einbürgerung beitragen. Wie Vaughn Coleman in Erinnerung brachte, heißt es in der Studie, dass sich eingebürgerte Migranten besser integrieren lassen. Einige sehr persönliche Beobachtungen von Komfor-Mitgliedern ließen allerdings erkennen, dass es auch schon lange in Deutschland lebenden Zuwandern, die sich selbst als integriert betrachten, nicht immer leicht gemacht wird.
Bürgermeister Thomas Jühe sieht beim Thema Integration beide Seiten in der Pflicht: Sowohl die deutsche Gesellschaft wie auch die Einwanderer hätten zu realisieren, dass es bei der Zuwanderung nicht mehr um eine "temporäre Erscheinung" gehe. Er habe immer schon gesagt, dass dies aktiv angenommen werden müsse. Von dem in der Stadt eingeschlagenen Weg profitierten alle. Davon ist Jühe trotz immer wiederkehrender Angriffe und Unterstellungen überzeugt. Eine Alternative gebe es dazu auch nicht, so der Bürgermeister in der Sitzung der "Kommission zur Förderung des Zusammenlebens".
