Heftiger Streit um die Raunheimer Wildsauen
19.03.2013 - RAUNHEIM
Von Michael Kapp
Der in der vergangenen Woche im Rathaus neu gewählte Vorsitzende der Jagdgenossenschaft, der Bereichsleiter Umwelt und Planung in der Stadtverwaltung Rüsselsheim, Reinhard Ebert, hat den Zorn von Jagdpächter Peter Hof auf sich gezogen. Ebert soll bei der Versammlung, die seit Mitte der 1990-er Jahre nicht mehr tagte, gesagt haben, dass es im Jagdbezirk ein „Riesenproblem“ mit der Wildschweinpopulation gibt. Einige hundert Stück Schwarzwild sollen nach Meinung von Ebert bisher noch nicht reduziert worden sein. Jagdpächter Hof nennt die Äußerung eine „Frechheit“.
Man habe den Bestand in letzter Zeit so „stark ausgedünnt“, dass es gerade noch mit der Verpflichtung, sich auch für Hege und Pflege des Wilds einzusetzen, verträglich sei. Hof erinnert an die Bewegungsjagden im vergangenen halben Jahr im Raunheimer Wald, bei denen fast 100 Stück Wild geschossen worden seien.
100 Tiere erlegt
Es sei nur schwer nachzuvollziehen, sagt Hof, wie Ebert bei einer Jagdfläche von 250 Hektar von „einigen hundert Stück“ sprechen könne. Noch schwerer wiege jedoch die Behauptung, dass der Wildbestand „bisher nicht reduziert“ wurde. „Wenn Herr Ebert als ehemaliger Forstbeamter sich nur die geringste Mühe gemacht hätte und bei der unteren Jagdbehörde in Groß-Gerau nachgefragt hätte, so hätte er erfahren, dass im Raunheimer Wald im vergangenen Jahr annähernd 100 Wildschweine erlegt wurden“. Dies sei nicht nur eine ganze Menge auf der kleinen Fläche, sondern sei auch „nur mit Ausdauer und Fleiß zu bewerkstelligen“ gewesen.
Peter Hof meint, dass es immer sehr leicht sei, eigene Versäumnisse anderen anzuhängen, um „von den eigenen Problemen abzulenken“. Obwohl sich Ebert für den Rüsselsheimer Ostpark, von Hof als „Brennpunkt“ bezeichnet, eine Abschusserlaubnis eingeholt habe, sei dort lediglich ein Wildschwein erlegt worden.
Im Gegenzug habe es Ebert jedoch nie versäumt, die Raunheimer Jäger – darunter Revierförster Manfred Wech – für die Probleme verantwortlich zu machen. Peter Hof geht davon aus, dass Ebert erst dann Ruhe geben wird, wenn die Wildschweine im Raunheimer Wald „ausgerottet“ seien. „Ich kann den Sauen nicht sagen, hier ist die Grenze, da dürft ihr nicht rüber laufen“, zeigt sich der Jagdpächter verärgert.
Probleme nehmen zu
Der Stadt Raunheim wirft Hof vor, dass sie sich von dem neuen Vorsitzenden der Jagdgenossenschaft, habe „einseifen“ lassen. Er schätze den derzeitigen Wildbestand im Raunheimer Wald gerade noch auf 50 bis 60 Tiere. Hof, dessen Jagdpacht Ende des Monats ausläuft, beneidet nachfolgende Pächter nicht um ihre Aufgabe. Neben der inzwischen erhöhten Steuer, handele es sich mittlerweile um eine völlig zerstückelte Fläche, die noch zu bejagen sei. Als Beispiele nennt Hof die künftige Straßenverbindung zum Anschluss Ost.
Erschwert werde die Arbeit der Jagdpächter zudem durch den abendlichen Betrieb an der Wakeboard-Anlage, wo in der vergangenen Woche bis in die Nacht hinein gefeiert worden sein soll, Techno-Partys, Ironman und die nachts durch den Wald streifenden Geo-Cacher. Die Feldflächen dürften schon gar nicht bejagt werden. Für dort entstehende Wildschäden hätten die Pächter jedoch aufzukommen.
In Richtung Rathaus erhebt Hof deshalb auch schwere Vorwürfe. Wer sich nicht einmal die Probleme der Jagdpächter anhören wolle, der sei fehl an seinem Platz, schimpft Hof auf Bürgermeister Thomas Jühe, der von ihm gewünschte Gesprächstermine schon mehrfach abgesagt habe.

