Flugzeugabsturz: Vor 60 Jahren stürzte eine US-Militärmaschine über Raunheim ab
28.01.2012 - RAUNHEIM
Von Michael Kapp
An diesem Samstag vor 60 Jahren stürzte ein amerikanisches Transportflugzeug über dem damals noch dünn besiedelten südlichen Teil von Raunheim ab. Bei dem Unglück am 28. Januar 1952 verloren drei Menschen ihr Leben. Die fünfköpfige Besatzung der Fairchild C 82, die wegen ihres großen Fassungsvermögens als „Flying Boxcar“ (Fliegender Güterwagen) bezeichnet wurde, hatte sich zuvor mit dem Fallschirm gerettet.
Besatzung rettet sich mit dem Fallschirm
Luise Becker schlief an diesem grauen und kalten Wintertag noch tief und fest, als in der Haßlocher Straße das letzte Haus vor dem Feld kurz vor 8 Uhr von den Trümmerteilen der schweren Transportmaschine getroffen wurde. „Ich bin kurz aufgestanden und habe aus dem Fenster geguckt, um zu sehen, woher der Knall kommt“, erinnert sie sich.
Da sich der Absturz außerhalb ihrer Sichtweite zugetragen hatte, legte sie sich Luise Becker, die seit einem Jahr mit Ehemann Helmut verheiratet war, wieder zurück ins Bett. Am Vorabend war in den Geburtstag des Vaters hineingefeiert worden, weshalb das Schlafbedürfnis entsprechend ausgeprägt gewesen sei. Hätte Nachbar Münk das junge Ehepaar nicht aus dem Bett geholt, hätte dieses das Unglück, bei dem das Nachbarhaus komplett zerstört wurde, vermutlich verschlafen. In dem Gebäude nebenan ließen der 77-jährige Heinrich Kolb, dessen 43-jährige Tochter Luise und das zwölfjährige Flüchtlingsmädchen Irene Kandler, die an diesem Tag später zur Schule musste, ihr Leben.
Motor fing nach dem Star Feuer
Nach dem Start auf dem unter amerikanischer Militärhoheit stehenden Frankfurter Flughafen hatte einer der beiden Motoren der Unglücksmaschine Feuer gefangen. Der Pilot versuchte offenbar noch, sein Flugzeug auf das freie Feld zwischen Raunheim und Rüsselsheim zu lenken. Nach dem Absprung der Besatzung führerlos, verlor die doppelrümpfige Fairchild aber immer mehr an Höhe. Ein hölzerner Telegrafenmast soll dem Schicksal nachgeholfen und die Flugbahn in Richtung Norden, geradewegs in das genannte Haus hinein, gelenkt haben.
Die Transportmaschine bohrte sich in das Wohnhaus der Familie Kolb. Wegen des vollen Treibstofftanks schlugen die Flammen hoch in den grauen Himmel. Die Trümmerteile flogen beim Aufprall in alle Richtungen weg. Wie aus Zeitzeugenberichten hervorgeht, konnten Raunheimer und Rüsselsheimer Feuerwehr nicht viel gegen die Feuersbrunst ausrichten. Erst die Flughafenfeuerwehr, die, wie sich der Vorsitzende des Heimatvereins, Erich Schick, erinnert, zunächst vor verschlossener Bahnschranke gestanden habe, konnte die Flammen löschen.
Dass das Haus von Luise und Helmut Becker heute mitten in der Einflugschneise steht, daran haben sich die Eheleute, die im vergangenen Jahr ihre diamantene Hochzeit feierten, gewöhnt. An den Flugzeugabsturz vor 60 Jahren, erklärt Luise Becker, werde schon gar nicht mehr gedacht.
