Von Ralf Schuster
"Kontakt" schimpft über Verwaltungsaufwand: Die Hilfe leidet / Pfarrer Biedert: "unsozial"
Der Verein "Kontakt - Soziale Dienste", der sich in Rüsselsheim um die Betreuung von Älteren und behinderten Bürgern kümmert, sieht diese gemeinnützige Arbeit durch immer mehr Büroarbeit und Verordnungen geschmälert. Von einem "bürokratischen Wahnsinn" spricht Eva Eisenhauer, die seit 1992 für "Kontakt" arbeitet. Während früher vielleicht zehn Prozent ihrer Tätigkeit für die Verwaltung draufgegangen seien, würden dafür jetzt weit über 50 Prozent erforderlich, worunter die inhaltliche Arbeit leide. Was dem Hilfeverein derzeit vor allem zu schaffen macht, ist die so genannte Minijob-Zentrale bei der Bundesknappschaft, die seit dem Jahre 2003 für die Betreuung der 34 Helferinnen zuständig ist, die in 70 Haushalten tätig sind. Sie kommen mindestens einmal die Woche, manchmal aber auch täglich. 120 Alte und Behinderte werden von "Kontakt" ständig betreut, vor allem solche, die keine Angehörigen haben. Diese Helferinnen machen sauber, gehen einkaufen, erledigen Anrufe, sind aber auch einfach nur Ansprechpartner für Hilfesuchende. Sie sind bei dem Rüsselsheimer Sozialhilfe-Verein als geringfügig Beschäftigte angestellt und verdienen 400 Euro im Monat. Während "Kontakt" sich jetzt im 34. Jahr seines Bestehens um eine möglichst intensive Hilfe mit geringem Verwaltungsaufwand bemüht, beklagt Eva Eisenhauer zunehmende Bürokratisierung durch die für sie zuständige Behörde in Essen: Da würden genaue Überprüfungen verlangt, es seien umfangreiche Fragebögen auszufüllen und wenn man bei der Abrechnung der flexiblen Stunden-Arbeitsleistungen den Grenzbetrag einmal um nur fünf Euro überschreite, werde man gleich mit dem Vorwurf bedacht "grob fahrlässig" zu handeln. "Die sind dermaßen scharf", beklagt sich Eisenhauer über ihre Behördenpartner. Sie sieht ihre gemeinnützige Arbeit nicht anerkannt, sondern eher erschwert. Zu Beginn dieses Jahres wurde beispielsweise das komplette Verfahren wieder geändert: Die Sozialversicherungsbeiträge müssen jetzt bis zum "drittletzten Bankarbeitstag" des Beschäftigungsmonats an die Knappschaft überwiesen sein, während man bisher Zeit bis zum 15. des Folgemonats hatte. Dadurch waren bei "Kontakt" Anfang des Jahres so intensive Buchungsumstellungen erforderlich, dass Eva Eisenhauer zusammen mit ihren zwei Teilzeit-Kolleginnen gar keine Hilfegesuche annehmen konnte. Auch Pfarrer Ullrich Biedert, Vorsitzender des Rüsselsheimer Vereins, schimpft: Er hält es für "unsozial", wenn die Behörde denen das Leben schwer macht, die sich um schwache Menschen kümmern. Wer für andere die Ärmel hochkrempele, dem dürften nicht "Fesseln angelegt werden", ärgert sich der Krankenhauspfarrer und stellt erbost fest: "Das sind Bürokraten."
