Von Maike Hessedenz
Main-Spitze-Leser fordern Handeln von der Politik / Innenstadt wird gemieden
Verunsicherung, Wut, Trauer und Unverständnis herrschen bei den Rüsselsheimern nach der Bluttat von Dienstag. Zahlreiche Leser machten bei der Main-Spitze-Telefonaktion ihrer Angst und Fassungslosigkeit Luft. Vorwürfen sieht sich auch die Stadtspitze gegenüber.
"Wir fühlen uns nicht mehr sicher in unserer Stadt", so der Haupttenor der Teilnehmer der Main-Spitze-Telefonaktion. Und das nicht erst seit der Schießerei. "Wenn ich höre, dass Rüsselsheim keinen Schaden von der Bluttat davontragen soll, kann ich nur sagen: Das Image von Rüsselsheim hat doch ohnehin einen Schaden", meint Stefan Fleischmann. "Ein Geschäft nach dem anderen macht zu, das Opelbad verrottet, außerdem war das ja nicht der erste kriminelle Vorfall in der Stadt", so der 29-Jährige. Angst habe er, mit seinen Kindern auf die Kerb zu gehen, unter Eltern gebe es kaum noch ein anderes Thema. Auch, dass der Oberbürgermeister erst am Freitag eine Stellungnahme in den Medien abgegeben habe, "war viel zu spät". Eine Ansprache an die Bürger, ein Signal für Sicherheit, das hätte er sich gewünscht. "Die Kommunalpolitik verharmlost die Situation", meint auch Wolfgang Reich. Dicke Autos mit Kennzeichen aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet, gefährlich aussehende Kerle, "die irgendwelches Zeugs von Kofferraum zu Kofferraum verteilen. Da wird überhaupt nicht kontrolliert." Seit 58 Jahren lebt Heinz Szibor in Rüsselsheim: "Was passiert ist, ist eine grausame Sache", bedauert der 88-Jährige. Zuviele Kulturen, zuviele Religionen, zuwenig Einfluss der deutschen Gesetze, das sind seiner Meinung nach Gründe für kriminelle Ausschreitungen. "Die Politiker spielen das Problem seit Jahren runter", schimpft Rosemarie Ebert. "Gehen Sie doch mal abends durch die Stadt. Da sind Sie ihres Lebens nicht mehr sicher." Die Gefahren hätten schon längst aufgezeigt und bekämpft werden können, meint die 58-Jährige. "Und jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen. Aber es scheint immer noch niemand nachzudenken." Karl-Martin Emmermacher, stellvertretender Jugendamtsleiter, steht mit seinem Beitrag dagegen ziemlich alleine da: "Ich werde nach wir vor mein Brot beim Bäcker gegenüber dem Ort des Verbrechens einkaufen und ab und an einen Kaffee trinken. Solche Vorfälle können in jedem Ballungszentrum auftreten", meint er. "Nur notgedrungen" geht nämlich Ursula Kneiffel noch in die Innenstadt. Das "ungute Gefühl" angesichts der Cliquen, die sich dort herumtrieben, teilt sie mit vielen Main-Spitze-Lesern. "Es hätte jeden unschuldigen Menschen an diesem Ort treffen können", findet Christine Emmerich. "Durch diese schreckliche Tat ist die Gewaltbereitschaft deutlich zum Ausdruck gekommen. Wir werden unsere Einkäufe und Aufenthalte in der Innenstadt auf das Notwendigste reduzieren", kündigt Dagmar Eckert an. "Wir müssen unsere Probleme lösen, anstatt ein rotes Samtmäntelchen drüberzuhängen", fordert eine andere Bürgerin. Purer Zorn macht sich bei Sonja Kröhl breit: "Weichspülerei" sei das Gerede von "Betroffenheit" und "Sorge um den Ruf Rüsselsheims". "Wir, die Einwohner, müssen Stellung beziehen. Toleranz gegenüber Gewalt, Weggucken bei offensichtlichen Straftaten hilft uns keinen Schritt weiter", fordert sie.
