Von Alexandra Dehne und Silke Fritz
Gerissene Oberleitung legt Bahnverkehr lahm/Rüsselsheimer Feuerwehr befreit Fahrgäste
Eine heruntergerissene Oberleitung in Rüsselsheim hat gestern Abend ab etwa 20 Uhr den Bahnverkehr auf der südlichen Mainstrecke lahm gelegt. Die Fahrgäste wurden erst nach weit über einer Stunde von der Rüsselsheimer Feuerwehr aus der S-Bahn befreit.
"Es war total heiß", erzählt eine Mainzerin, als sie gegen 21.15 Uhr über eine von der Feuerwehr bereit gestellte Leiter aus der S-Bahn klettert. Über eine Stunde hätten sie im Zug, der gut gefüllt gewesen sei, gesessen. "Das schlimmste war, dass wir kaum Informationen bekommen haben", sagt eine andere Frau. "Wir haben nur einen lauten Knall gehört." Es habe zunächst geheißen, dass es einen Oberleitungsschaden gegeben habe. Dann sei gemahnt worden, die Türen nicht zu öffnen, es bestehe Lebensgefahr. Daran halten sich die Fahrgäste allerdings nicht mehr, als sich immer mehr Schaulustige und Journalisten auf der Straße entlang der Gleise einfinden. Von Polizei, Feuerwehr und Bahnmitarbeitern ist nichts zu sehen. Einige Passagiere fangen an, selbständig aus der Bahn zu klettern und über den Zaun zu steigen, und dies samt Gepäckstücken. Gegen 21 Uhr trifft dann endlich auch die Rüsselsheimer Feuerwehr ein. Sie bricht an einer Stelle, wo eine Treppe von den Gleisen zum Zaun führt, den flachen Jägerzaun herunter, um so einen Durchgang zu schaffen. Über an die Türen gelehnte Leitern können die Passagiere aus der S-Bahn klettern. Auch der S-Bahnfahrer, der ebenfalls im Zug gewartet hatte, packt erst jetzt seine Sachen und steigt aus. Da die Linie über den Flughafen führt, sitzt vielen die Zeit im Nacken, "wir verpassen unseren Flug", ist eine ältere Dame ganz aufgelöst. Andere wiederum fragen auf Englisch nach der Möglichkeit von Taxen, gegen 21.30 Uhr kommen dann auch Busse, die nach Rauheim, Kelsterbach und Frankfurt fahren. Nur noch Kopfschütteln hat Michael W. übrig. Der Frankfurter, der in Rüsselsheim arbeitet, stand am Rüsselsheimer Bahnhof, als er dort gegen 19.45 Uhr einen Knall hört. "Ich dachte an eine Explosion", erzählt er. Gleichzeitig habe er gesehen, dass die Oberleitung "herumzwirbele", danach sei Rauch aufgestiegen und das Kabel, das auf die Schienen gefallen sei, habe gebitzelt. Er habe dann sofort die Polizei angerufen. Etwa eine dreiviertel Stunde später, so Michael W., sei dann seine S-Bahn Richtung Frankfurt gekommen. Kurz nach der Abfahrt habe der Zug dann eine Vollbremsung hingelegt, es habe dadurch extrem nach den Bremsen gestunken. Auf seine Nachfrage beim Fahrer habe dieser dann gesagt, es gebe keinen Strom mehr. "Dann hat es noch mal einen Knall gegeben." Vermutlich ist da der Schleifer auf dem Dach der Bahn, der den Kontakt zur Oberleitung herstellt, zusammengeklappt. Von der Bundespolizei gab es gestern Abend nur widersprüchliche Angaben zum genauen Hergang. Ihren Angaben zufolge sei die Oberleitung nach der Durchfahrt der S-Bahn etwa in Höhe der Unterführung zur Königstädter Straße heruntergefallen und dadurch die Stromzufuhr unterbrochen worden. Auch die genaue Erklärung, warum der Rüsselsheimer Bahnhof so weiträumig mit rot-weißen Flatterbändern abgesperrt war, war nicht zu bekommen. Dort waren zahlreiche Polizeikräfte und Krankenwagen anwesend, während in der Stettiner Straße, wo die S-Bahn evakuiert wurde, hauptsächlich die Feuerwehr im Einsatz war. Die Bahn geht von einem technischen Defekt aus, durch den die Oberleitung zwischen Rüsselsheim und Raunheim in einer Länge von zirka zwei Kilometern beschädigt worden war. Wahrscheinlich sei, dass ein Isolator implodiert ist, so ein Bahn-Sprecher. Mehr war nicht zu erfahren, da die Untersuchungen bei Redaktionsschluss noch liefen. Personen seien nach Angaben der Bundespolizei nicht zu Schaden gekommen.
