Liebe, Hass und Gift
31.08.2010 - WIESBADEN
Von Richard Hörnicke
STAATSTHEATER Opernforum zu Verdis „Luisa Miller“/ Premiere am Samstag
„Luisa Miller“ führt unter den Opern Giuseppe Verdis ein eher bescheidenes Dasein, da sich das besondere Interesse des Opernpublikums auf den Beginn der erfolgreichen Karriere des Komponisten ab 1851 richtet, die mit der Uraufführung des „Rigoletto“ begann.
Im Opernforum des Staatstheaters stellten Dramaturg Andreas Gründler in Vertretung des erkrankten Wolfgang Haendeler mit dem Regisseur Immo Karaman und Choreograph Fabian Posca dieses Werk im Gespräch vor. Wie gewohnt wurden die Ausführungen mit musikalischen Beispielen bereichert, so gaben Bernd Hofmann (Graf von Walter) und Hye-Soon Sonn (Sekretär Wurm) mit der Begleitung von Lynn Kao in einem Duett einen sängerisch exzellenten Vorgeschmack auf das dramatisch gespannte Geschehen.
In den Ausführungen der drei Gesprächsteilnehmer wurde deutlich, dass die drei Überschriften, die der Partitur vorangestellt sind: „Liebe, Hass, Gift“ die Handlung stark bedingen, die Akteure folgen einem Mechanismus, der auch angesichts der veränderten Lebensumstände in Vermassung und Industrialisierung bis zum Auslöschen des Lebens führen kann.
Verdi hat, immer in Rücksprache mit seinem Librettisten Salvatore Cammarano, diesem Aspekt durch die Schilderung des Generationenkonflikt zwischen dem Despoten Walter und seinem Sohn Rodolfo sowie zwischen Luisa Miller und ihrem Vater starke Bedeutung beigemessen und die Situation dieser Auseinandersetzung musikalisch verschärft.
Im Original spielen viele Szenen der Oper, die aus Zensurgründen in ein Tiroler Dorf verlegt wurde, im Freien. Man hat sich entschieden, das Geschehen in einem großen Raum anzusiedeln, der praktisch keinen Weg nach außen lässt, gefangen in einem absolutistischen System, das jede freiheitliche Regung im Keim erstickt. Als Ausweg aus diesem „System, das sich selbst verschlingt“ gibt es nur die Selbstzerstörung.
Verdi betont in seiner Musik, das Dunkle, Untergründige der Handlung, so sind viele Stellen der Partitur mit tiefen /dunklen) Instrumenten besetzt, durch einen unsichtbaren hämisch a-capella singenden Jägerchor wird dieser Eindruck verstärkt.
Zum Abschluss des Opernforums wurde die Ouverüre des Werks eingespielt, die in ihrer dramatisch fokussierten Art auf die Premiere am Samstag gespannt sein lässt. Musikalische Leitung. Christoph Stiller, Inszenierung: Immo Kraman, Choreographie: Fabian Posca, Bühnenbild: Nicola Reichert, Chöre: Christof Hilmer/Anton Tremmel, Dramaturgie Wolfgang Haendeler.
