DJ Bobo im Maya-Land
18.05.2010 - FRANKFURT
Von Andreas Schermer
KONZERT Schweizer Pop-Sänger mit anspruchsfreien Texten und beispielloser Show in Frankfurt
Wenn DJ Bobo zu einer Reise in die Imagination einlädt, sollte man wissen, dass man den Anblick ausbrechenden Feuers auf der Bühne ruhig genießen kann und man keine Ausschau nach den Notausgängen halten muss. Dabei kann man alles vergessen, was man sich gemeinhin unter dem Begriff "Bühne" vorstellt. In der Frankfurter Festhalle sitzt eine gigantische, 14 Meter hohe Figur mit sechs Armen. Eine ihrer Hände hält bequem das Schlagzeug. Auf den übrigen Gliedmaßen ist in einer Höhe von bis zu zehn Metern jeweils ein weiterer Musiker positioniert. Zusammen liefern sie einen amtlichen Rock-Sound.
Es blitzt und raucht
An jedem Finger trägt die namenlose Riesengestalt einen Ring, aus dem grelle Scheinwerferstrahlen zucken. Es funkt und blitzt und raucht. Im Schoß der Gestalt tobt ein zwölfköpfiges Ballett. "Heute dürfen wir alles, was wir sonst nie dürfen. Willkommen in meiner Fantasie", begrüßt der King of Dance seine Fans, die bereitwillig helfen, an diesem Abend seine vielen kleinen Visionen Wirklichkeit werden zu lassen: "In meiner Fantasie höre ich euch alle schnippen." Man braucht keine große Vorstellungskraft, um ahnen zu können, dass natürlich ebenso gesungen, geklatscht oder mit den Armen geschweift wird.
Ein zackiger Tänzer ist er, mit perfekt getimter Choreografie. Die Bedächtigkeit des Landesklischees lässt sich dem schweizer Animateur, Rapper, Pop-Sänger, Komponist und Musikproduzent René Baumann wahrlich nicht vorwerfen. Eher zeichnet ihn ein kaufmännischer Vermarktungssinn unter dem naiven Künstlernamen DJ Bobo aus. Durch die immergleichen erfolgsbewährten Komponenten aus pumpendem Beat und Botschaften über Friede, Freude, Liebelei verschmelzen seine neuen, etwas unbekannteren Stücke stilistisch und thematisch mit den alten Euro-Pop-Hits der 90er Jahre "Around The World", "Everybody" oder "Respect Yourself". Bei "Feels Like Heaven" wird schließlich sogar der sitzende Riese wach und öffnet langsam die bislang geschlossenen Augen.
Fantasie bedeutet zugleich thematische Narrenfreiheit ohne tieferen Sinn oder zusammenhängende Handlung. Die Bühnenkulisse ist einer Hindu-Gottheit nachempfunden, in eine Urwaldlandschaft gepflanzt, die an die Maya-Kultur erinnert. Dazwischen tummeln sich Zauberwald-Wesen. In der Verschmelzung aus Musical-Zirkus und Vergnügungspark-Revue kriegen die beiden Jung-Kampfkünstler von Energetrix aus der Casting-Show "Germany´s next Showstars" ebenso einen Auftritt wie die acht Schweizer Synchron-Tambouren Surfdrummers.
Zeremonienmeister
Man mag DJ Bobo belächeln für seine anspruchsfreien Texte und sein schlechtes Englisch, doch seine beispiellose Show ist ein Entertainment-Spektakel der Superlative. "In meiner Fantasie stehen alle Männer auf und schreien yeah, wenn die Frauen hui sagen und sich wieder hinsetzen." Mit solchen Animationsspielen hat er das Publikum fest im Griff. Mit sichtlichem Vergnügen folgen sie dem Dirigat des Zeremonienmeisters. Dieser verabschiedet sich bescheiden: "Danke vielmals. Ihr wart eine sensationelle Fantasie!"
