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Lokale Kultur 

Opel bleibt außen vor

15.06.2009 - RÜSSELSHEIM

Von

KABARETT Hagen Rether lässt das nahe liegendste Thema im Stadttheater aus

André Domes

. "Wissen Sie worüber ich froh bin? Dass ich heute Abend nichts über Opel sage!" - Was für Hagen Rethers Sympathiewertung im Stadttheater wohl der einzig richtige Weg war, musste man mit Blick auf den Diskurs in der Opelstadt eigentlich bedauern. Genau hier liegt nämlich eine der größten Qualitäten in der Arbeit des Essener Kabarettisten: Es regelmäßig fertig zu bringen, jeden einzelnen Besucher zumindest ein Mal am Abend mit seinen eigenen Lebensgewohnheiten und Einstellungen so zu konfrontieren, dass sich Freude über Pointen mit leichten Magenschmerzen über das eigene Tun verbindet. Das gelang Hagen Rether am Freitagabend im voll besetzten Großen Haus aber auch ohne Opel-Exkurs mit Bravour - und zwar zwei Mal 90 Minuten lang.

Während andere noch immer mit einer Parodie nach der anderen durch ihre Programme poltern oder alte Pointen in neuen Kombinationen zu abendfüllendem Format bemüht zusammenzimmern, hat sich Hagen Rether ein weitaus eleganteres und natürlicher wirkendes Bühnenkonzept erarbeitet. Denn wenngleich auch Rether seine Monologe mit musikalischem Taktgefühl ausarrangiert und zielsicher gezielt in den Saal entlässt, so wirkt das Ganze doch stets so natürlich und mit so viel Persönlichkeit aufgeladen, wie bei kaum einem anderen Vertreter im deutschen Kabarett.

Zugegeben - die Themenauswahl in Rethers Dauerprogramm "Liebe", das er schon seit 2003 stetig fortschreibt, beschäftigt sich nicht an allen Stellen mit dem Tagesgeschehen, doch wenn es um die große Koalition oder innere Sicherheit geht, sind auch Schäuble-Pointen von vor einigen Jahren bekanntlich noch reichlich aktuell: "Wir haben keine Angst vor Attentaten - wir haben Angst vor deiner Angst!"

Wer Hagen Rethers Abende besucht, der muss darauf gefasst sein, kein bloßes Durchpflügen der politischen und wirtschaftlichen Landschaft zu erleben, sondern auch darauf, dass er selbst immer wieder ans Schlafittchen gepackt wird. So etwa, wenn es um Scheindebatten geht, die dankbare Annahme von Ablenkungsskandalen oder medial produzierte Empörungs-Automatismen: "Wir haben für jeden Bereich unseren Watschn-Baum. Und für Finanzen ist der Ackermann zuständig."

Rether spielt rhetorisch hart, schnörkellos und körperbetont und lässt auch sich selbst nur wenig Schonung zuteil werden. Klar, mit seiner aufrüttelnden Vegetarier-Nummer gegen Ende des Sets nimmt sich Rether selbst zwar genauso aus der Schusslinie wie bei Ausführung zum amtskirchlichen Katholizismus, doch dass er sich selbst schonen würde ist dem Mann im Anzug nicht vorzuwerfen. Fast durchweg bleibt Rether in seinen Texten beim "wir", zu leidenschaftlich arbeitet der am Freitag arg erkältete Essener an seinem erklärten Ziel: "Wenn ich mal 80 bin, will ich so Augen haben wie Dieter Hildebrandt - nicht welche wie Ratzinger."

Hagen Rether bei seinem Gastspiel am Rüsselsheimer Flügel.Vollformat/Volker Dziemballa


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