Von Clive
Die Band "Fehlfarben" begeistert ihr Rüsselsheimer Publikum im Kulturzentrum "das Rind"
D'Urso Auf ihrer Tour durch Deutschland und Österreich gaben "Fehlfarben" am Donnerstag im "Rind" ihr einziges Konzert im Rhein-Main-Gebiet. Die 1979 in Düsseldorf um den Sänger Peter Hein gegründete, aus der Punk- und New-Wave-Bewegung entstandene Band feierte Anfang der achtziger Jahre im Sog der Neuen Deutschen Welle (NDW) mit ihrem wegweisenden Album "Monarchie und Alltag" und dem einzigen großen Hit, "Ein Jahr (Es geht voran)", ihren größten Erfolg. Dabei zählte "Fehlfarben" nie zur NDW und wurde nur aufgrund der Tatsache, Deutsch zu singen, dazugezählt. Anders als die meisten deutschen Bands der Achtziger haben "Fehlfarben" weitergemacht und sich weiterentwickelt, wenn auch ohne Beachtung einer größeren Medienöffentlichkeit. So ist dann auch die aktuelle Tour anlässlich des im April veröffentlichten Albums "Handbuch für die Welt" vor allem eine Clubtour. Das Warmup durch die Vorgruppe hätte für die rund 150 Zuschauer genauso gut entfallen können. Im "Rind" herrschte brütende Hitze. Trotzdem brachte die Limburger Band "Die Radierer" das Publikum mit deutschem New-Wave-Punk und ironischen Texten schon mal in Stimmung. Als dann schließlich "Fehlfarben" die Bühne betraten, war Schluss mit dem lustigen Teil. Sofort in die Vollen gehend, überwältigten die Musiker das Publikum von Anfang an mit fast schon brachialer Lautstärke. In ihrer Musik waren die Wurzeln von Punk, Ska und New Wave noch deutlich herauszuhören. Der Sound wurde von Thomas Schwebels Gitarre dominiert, die teils klang, als stünden zwei oder drei Gitarristen auf der Bühne. Die treibenden, kräftigen Beats der Schlagzeugerin, Saskia von Klitzing, blieben "straight forward" und erteilen damit allen rhythmischen Mätzchen eine Absage. Der satte Bass Michael Klemners ging durch Mark und Bein. Für den Unterbau sorgten "der Pyrolator" und Frank Fenstermacher mit ausgeklügelten Synthieklängen. Das Ganze war laut, schnell, vielschichtig und oft mit einer harmonischen Eleganz unterlegt. Mittelpunkt ist und bleibt aber Sänger Peter Hein, der am Mikrophon festgeklammert und auf einem Fleck der Bühne wie festbetoniert jedes Stück mitlebte, ja miterlitt. Schade, dass man von den Texten im "Rind" kaum etwas verstehen konnte, so schlecht war der Gesang über die Anlage abgenommen. Um so bedauerlicher, da gerade die oft sozialkritischen und pessimistischen Texte einen wichtigen Teil des Erlebnisses "Fehlfarben" ausmachen. So blieb von Heins Gesang fast nur der Eindruck einer kräftigen Stimme voll emotionaler Ausdruckskraft. Das Publikum war trotzdem beeindruckt, ging bei jedem Stück mit und entließ die Band erst nach fast zwei Stunden und mehreren Zugaben.
