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"Das Blaue Einhorn" spielt bei der "Dorflinde"
André Domes "Alles was wir hier spielen, ist eigentlich der Blues", fasst Sänger Paul Hoorn das Konzept zusammen, das seit Gründung der Band "Das Blaue Einhorn" 1991 die Programmatik bestimmt. Doch die Festlegung stellt sich im Falle des Dresdner Quartetts als hintersinniger dar, als es zunächst den Anschein hat. Songs aus der amerikanischen Musiktradition wird man beim Besuch eines Konzertes des "Blauen Einhorns" nicht vernehmen. Paul Hoorn und seine Kollegen treten mit der Band vielmehr den Beweis an, dass man nicht unbedingt nach Übersee schauen muss, um den Blues zu finden. Am Samstagabend gastierte "Das Blaue Einhorn" beim Folk- und Jazzclub "Dorflinde" im Rüsselsheimer Festungskeller - und das bereits zum fünften Mal. Warum sich das Vierergespann aus Dresden bei der "Dorflinde" so großer Beliebtheit erfreut, zeigte sich am Samstag ganz offensichtlich. Denn obgleich der Besuch im Festungsgewölbe diesmal nicht ganz so stark ausfiel wie bei den vorherigen Veranstaltungen im Jubiläumsjahr der "Dorflinde", ansprechende Konzertatmosphäre hatten die Musiker schnell hergestellt. Grundlage des schnellen Erfolgs in Sachen Stimmung ist vor allem die Flexibilität, mit der "Das Blaue Einhorn" im Stande ist, auf jede Konzertsituation einzugehen. Klezmer, Tango, Fado und Chanson, dazu Rembetiko und Gipsy-Musik - all das vereint sich im Programm der Band zu einem konsequent blau gefärbten Ganzen, das trotz des Faibles für traurige Stimmungen selten weinerlich und schon gar nicht trist wirkt. Im Gegenteil: Blues im Sinne des "Blauen Einhorns" ist ein vielfältiges Metier, das die Leidenschaft als Konstante hat und sich ansonsten vielfältig von sehnsuchtsvoller Dichtung über die unerfüllte Liebe bis hin zu Klageliedern zum Thema "Vertreibung" ausformt. Umgesetzt wird die musikalische Mischung durch nicht minder abwechslungsreiche Arrangements, die Paul Hoorn, Florian Mayer, Dietrich Zöllner und Andreas Zöllner mit immer wieder wechselnder Instrumentierung präsentieren. Egal, ob mit Bauchgeige, Klarinette, Akkordeon oder Kontrabass, stets formen die Instrumentalisten eine lebendige Struktur und bleiben dabei dennoch stets im Dienste des Liedgutes. Komplettiert wird der Gesamteindruck durch so manches handwerkliche Schmankerl wie mehrstimmigen Gesangsparts, quirliger Soloarbeit und dem charismatischen Interpretationsstil Hoorns.
