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"Junges Ensemble" debütiert mit Carlo Goldonis "Der Diener zweier Herren" im Stadttheater
André Domes RÜSSELSEIM Die Stille im Saal am Mittwochvormittag sprach für sich. Denn obgleich die zweite Vorstellung des "Jungen Ensemble" vor nur halb besetztem Haus stattfand, machten ihm die Schülerinnen und Schüler der anwesenden Klassen das größte Kompliment, welches ein Schüler-Publikum verteilen kann: eine respektvoll konzentrierte Atmosphäre. Und das geschah auch völlig zu Recht, denn wie schon bei der mit 550 Zuschauern weitaus besser besuchten Premiere am Vorabend bot das "Junge Ensemble" eine begeisternde Vorstellung und nebenbei auch eine eigenwillig-unterhaltsame Version von Carlo Goldonis "Der Diener zweier Herren". Als notwendiges Bindeglied zwischen Schultheater und freien Schauspielproduktionen war das "Junge Ensemble" Anfang des Jahres gegründet worden. Verbunden mit dem Ansinnen, jungen Schauspieltalenten Einblicke in einen professionelleren Arbeitskontext zu ermöglichen, forderte man von den elf in Castings ermittelten Darstellern ein enormes Probenpensum ab. Ein Engagement, das sich bei den Vorstellungen am Dienstag und Mittwoch gleich mehrfach auszahlte: Die nie abwesend oder lasch wirkende Sprach- und vor allem Körperarbeit der Ensemblemitglieder dürfte nicht wenige der Zuschauer überrascht haben. Dass dabei nicht alle der Nachwuchstalente mit gleicher Präsenz auf der Bühne stehen und ein in allen Belangen einnehmendes Spiel zeigen würden, war von vornherein klar - immerhin traten die Spieler mit ganz unterschiedlicher Vorerfahrung und individuellen Möglichkeiten an. Gerade deshalb aber war das Maß an Extrovertiertheit und Sicherheit im Gesamteindruck so erstaunlich und das wohl beste Argument für ein Fortbestehen des "Jungen Ensembles" als potentes Förderprojekt. Die Inszenierung selbst zeigte den "Diener zweier Herren" in stark bearbeiteter Fassung, die in Punkto praller Farbigkeit und Hang zur Überzeichnung ebenso deutlich die Handschrift von Regisseurin Regine Schröder-Kracht trug, wie sie sich mit hoher Spielintensität von Schulprojekten unterschied. Verortet im venezianischen Mafia-Milieu der sechziger Jahre entwickelten die Spieler eine Verwicklungsgeschichte, die mit eingebauten Gags, markigen Sprüchen und Einspielern von Shirley Bassey bis Nelly viele Lacher und aktuelle Bezüge bereit hielt. An Stelle einer Pause gab es nach gut zwei Dritteln der Spieldauer eine längere Passage mit Musical-Touch, die auf die markanteste Bearbeitung des Goldoni-Stoffes hinführte. Anders als im Commedia-dell´Arte-Original bot das "Junge Ensemble" bei seinem Goldoni nämlich ein blutiges Ende an, das dem Geschlechterkampf zum Schluss noch einen unverhofften Schuss Klassenkampf an die Seite stellt.
