Von André Domes
AUSSTELLUNG Hans Diebschlag zeigt in der Werkshalle A1 poetische Seiten der Autowerbung / „Ampera“ als Exponat
Die Verbindung zur Marke Opel ist bei Maler Hans Diebschlag schon seit vielen Jahren eine enge. Wie eng, davon zeugt die am Donnerstag eröffnete und von der Adam Opel AG ausgerichtete Ausstellung „Träume des Adam“, die bis zum 15. Mai in der ehemaligen Werkshalle A1 zu einem Rundgang einlädt. Mit einer „poetischen Werbung“, so der Untertitel der Schau mit Werken von 2004 bis 2011, zeigt Diebschlag Beziehungspunkte, aber auch Spannungsfelder zum Autobauer, aber auch zwischen den Sphären Kunst und Konsum auf. Die Vernissage am Donnerstag erfreute sich trotz dienstbedingten Fernbleibens der Ortspolitik großer Resonanz.
Nicht nur Diebschlag, auch dem Ausstellungsbesucher werden die „Träume des Adam“ zu einem echten Grenzgang. Denn ob man sich bei der Ausstellungseröffnung nun bei einem Image bildenden Markenevent oder aber der Werkschau eines wohlbekannten Künstlers befindet, bleibt auch nach näherem Hinsehen unklar. Ein durchaus erwünschter Effekt, der noch dadurch verstärkt wird, dass die beiden Perspektiven sich mittelbar einen freilich freundlichen und inszenierten Schlagabtausch zu liefern scheinen. Der Autobauer als Gönner und Gastgeber wirft Renommee, ein namhaft besetztes Rahmenprogramm zum Markenverständnis und sogar das Hoffnungsträger-Modell „Ampera“ als Ausstellungsobjekt in den Ring - eines der meistbeachteten Exponate am Donnerstag.
Das Dazwischen ist dennoch allgegenwärtig. Denn zwar ist die Ausstellung an einem Platz verortet, an dem nun wirklich keine Werbung mehr nötig ist, doch finden die „Träume des Adam“ in einem Gebäude statt, das sich vom einstigen Erbauer veräußert nun in der Warteschleife für eine neue, wiederum kommerzielle Nutzung befindet.
Wie sich der Künstler mit seinen Mitteln gegen die scheinbare Übermacht wehrt, zeigt ein Bild am anderen Ende der Ausstellung. Dort, in „Hoch dem Strom“, findet sich der Elektro-Opel wieder. In übersteigerter, ikonenhafter Weise schwebt der „Ampera“ wie ein Gottesgeschenk vom Firmament herab, während der zum Leben erweckte Adam die Benziner-Schrottkisten beiseite kehrt. Diebschlag reißt die Werbetrommel auf diese Weise an sich und setzt mit künstlerischer Unbedarftheit zum Wirbel in eigener Sache an. Freilich geht es in den „Träumen“ auch oft deutlich versöhnlicher, manchmal sogar romantisierend zu. Dann etwa, wenn Diebschlag die Auto-Rückbank zum Schauplatz amouröser Aktivitäten werden lässt oder mit liebevoller Stichelei so manche historische Persönlichkeit als Werbefigur einspannt. Goethe, Brecht, Kafka, die Manns oder Beethoven werden als zumindest von ihrer Einstellung her Opel-affine Charaktere dargestellt und bekommen ihr persönliches Modell. Oder aber die Verbindung fällt handfester aus: „Kofferraum und Charisma - davon konnte Mae West reichlich bieten“. Technisch sind die Bilder als Aquarelle, Tempera-Arbeiten oder Öl-Malerei auf verschiedenen Untergründen ausgefertigt und lassen die Ausstellung auch die stilistische Bandbreite Diebschlags offenbaren.
