Präzision und Geschlossenheit
04.11.2010 - RÜSSELSHEIM
Von Klaus Mümpfer
IKS SWING KIDS Neue CD der Rüsselsheimer Big Band / Neues Leben für Jazz-Standards
Die lässig relaxte Einleitung des Pianisten Sebastian Groël trifft gut den Charakter des „Moten Swing“, der in seiner reduzierten Form immerhin stark an den Klavier-Stil und die Riffs von Count Basie in dessen Frühzeit bei der Bennie-Moten-Big-Band erinnert. Auch das anschließende „Bye Bye Blackbird“ ist zwar nicht von kompositorischer Raffinesse geprägt, aber es bildet eine harmonische Grundlage für ein einfühlsames Solo des Posaunisten Moritz Wesp.
Die „IKS Swing Kids“ verfügen über eine Vielzahl von für ihr Alter erstaunlich eigenständigen und reifen Solisten, unter denen zweifellos die Altsaxophonistin Johanna Klein, der noch sehr junge Fabian Dudek am Tenorsaxophon, mit Monk‘scher Anlehnung der Pianist Nico Hering in „Tristesse“, der Gitarrist Christian Peter in „Revelation“ sowie mit Billie Holidays „God Bless The Child“ die Sängerin Marina Galm hervorgehoben werden können. Ganz abgesehen von Jan Peter Linay am Schlagzeug, der mit Groël die vorliegende CD „Swing Kids by Starlight“ produziert hat.
Die Big Band der Rüsselsheimer Immanuel-Kant-Schule erweckt auf ihrer jüngsten CD „Swing Kids by Starlight“ eine Reihe bekannter Standards mit eigenständigen Arrangements zu neuem Leben, auch wenn sich die Leiter Jens Hunstein, Heiko Hubmann und Horst Aussenhof wie beim Finale der Blues-Ballade „Stolen Moments“ durchaus an die Worte des Komponisten Oliver Nelson halten, der lapidar anwies: „Das Stück endet ruhig.“
Makellos sind die Präzision der Einsätze, die Geschlossenheit des kompakten und zugleich differenzierenden Bläser-Satzes in Unisono wie in mehrstimmigen Tutti sowie die solide Unterstützung der Rhythmusgruppe, die mit Breaks kurze solistische Glanzlichter in den Big-Band-Sound setzen.
Dirigent Hunstein hat die Big Band in getragenen wie in Up-Tempo-Stücken fest im Griff. Dass die Band bei diesem technischen Vermögen sich erfolgreich mit humorvollen Einlagen versucht, kann der Hörer nachvollziehen, wenn die „Swing Kids“ in „I Wanna Be Like You“ die Geräusche und Laute von Tieren der afrikanischen Steppe interpretieren.
Von besonderem Reiz ist in der Ballade „Stella by Starlight“ das Klangfarbenspiel, das das Saxophon von Markus Lihocky in einen ruhig fließenden Bläserteppich einbettet und später umspielt, sowie der von einem Drum-Break eingeleitete schnelle Mittelteil, nach dem die Band wieder zum getragenen Thema zurückkommt.
Faszinieren können auch das tänzerisch beschwingte „Tristesse“ und vor allem das abschließende „Revelation“, das nahezu sakral und hymnisch beginnt, um dann treibend zu grooven.
Bewiesen haben die „IKS Swing Kids“ ihr musikalisches Können in mehreren Wettbewerben. In diesem Jahr gewann die Band den Tom-Gaebel-Preis im bundesweiten Skoda-Wettbewerb des Deutschen Musikrates, in den Jahren 2006, 2008 und 2010 gleich drei Mal den Schul-Big-Band-Wettbewerb des Hessischen Rundfunks. Lohn für dieses Triple waren Aufnahmen im Studio des „hr“, wo diese vorbildlich abgemischte CD „Swing Kids by Starlight“ entstanden ist.
„Unser Programm hatte eine strenge Qualitätskontrolle mit Bravour bestanden und war reif, festgehalten zu werden“, schreiben die „Swing Kids“ im Booklet mit berechtigtem Stolz.
