Von Nadine Scherer
KABARETT Gerd Dudenhöffer lässt bei seinem Programm "Kosmopolit" manches Lachen einfrieren
"Mein lieber Scholli". Schon die ersten drei, in schönsten Saarländisch dargebrachten Worte, sorgen für Lacher im fast ausverkauften Stadttheater.
Heinz Becker "verzählt" vom Stammtischleben, den Vorstandsquerelen im Gesangsverein und davon, dass "´s Hilde sich erkältet hat und mein Elektrokabel zu kurz ist". Absurde Gedankensprünge sind die Grundlage des Beckerischen Humors. Als "Kosmopolit", so der Titel des aktuellen Programms, schaut Heinz Becker trotz Warnung des Vaters über den Tellerrand in die weite Welt. Dabei bleibt die mit Batschkapp verzierte Kunstfigur des Kabarettisten Gerd Dudenhöffer jedoch immer fest auf dem winzigen Stück spießbürgerlichen Rasens mit Gartenstuhl und Sitzkissen verankert. Von dort aus kommentiert Heinz Becker Wirtschaftskrise und Sextourismus mit Stammtischphrasen. Ihn wundere es gar nicht, dass die Weltwirtschaftskrise zusammenbreche. Wissendes Nicken. Warum das Leitzins heiße, sei ihm auch klar: "Weil es letzten Endes die Leit bezahle müsse". Auch über den regelrechten "Domina-Effekt" der "Banden... äh, Banken" weiß der Becker-Heinz Bescheid und lehnt die Hilfspakete ab: "Wenn einer aus dem Flugzeug fällt, kannst du dem so viele Fallschirme nachschmeißen wie du willst". Dem neuen Opel-Chef "Rallye" traue er nur so weit, wie er ihn sehen könne. "Sehen Sie den hier irgendwo?", fragt er ins Publikum.
Gar nicht recht ist ihm, dass das kubanische Ausbildungslager für Gefangene "Guantanamera" zugemacht werden soll und "wir die zu uns" holen. Früher sei der Terrorismus weit weg gewesen. Während unsereiner eine Ausbildung zum Bankkaufmann mache, ließen die sich als Terroristen ausbilden. "Die Frage ist nur: Wer richtet später den größeren Schaden an?".
Dudenhöffers Stärke liegt in den entlarvenden Wortverrenkungen, die den kleinbürgerlichen Stammtisch-Schwadronierer parodieren. Vom Sextourismus hält er nichts. "Zu uns kommen die Ausländer und machen sich an den deutschen Frauen zu schaffen, ohne was zu zahlen." Darf man da lachen? Wenn er Heinz Becker sagen lässt, dass es nicht schlecht wäre, wenn mal wieder einer für Ordnung sorge. "So wie Führer... äh, früher. Mit den Vorteilen von damals, also die Menschenrechte für die, denen sie gehören". Betretenes Schweigen auf der Bühne, hilflose Gestik, weil die Worte fehlen. "Ich kannte mal einen, der nannte seinen Schäferhund Bedolf". Erlösendes Lachen.
Die verklemmte Spießbürgerlichkeit kommt zum Ausdruck, wenn er sich um das Thema Kondome, Sex und Romantik windet. Da zeichnen die Finger nervös imaginäre Linien auf den Knien nach. Sein Vater habe ihm erstmals nach der Hochzeit zu Kondomen geraten. "Vor allem, damit der Mann sich nicht bei der Frau ansteckt". Buhrufe mischen sich ins Lachen. Der Stefan kam übrigens sechs Monate nach der Hochzeit zur Welt. Für Stefan gibt´s noch in Bierstuben gereifte Weisheiten mit auf den Weg. "Immer schön mit dem Strom schwimmen, dann kommt man schneller an." Denn: "Wer gegen den Strom schwimmt, wird auch nass".
