Von Elke Flogaus
LESUNG Drei Autorinnen lesen in Bücherei
Bei rund 80 Besuchern vorwiegend weiblichen Geschlechts platzte die Stadtbücherei fast aus den Nähten, als am Donnerstagabend literarische "Frauenpower" angesagt war. Drei Autorinnen aus der Region hatten ihre neuesten Werke mitgebracht und präsentierten pfiffige Hausmannskost, historische Dramatik mit einem Hauch von Erotik sowie Krimifeeling mit Lokalkolorit.
Drei Lesekostproben, drei Autorenpersönlichkeiten, drei Zielgruppen - und doch gestaltete sich der Abend zu einer runden Sache, denn jede Schriftstellerin brachte sich völlig authentisch ein. "Was Leichtes zum Anfang" kündigte Heike Wanner ihre heitere Liebesgeschichte zu Beginn an und schilderte dann ihre ersten Schritte als Autorin mit ihrem Erstlingswerk "Der Tod des Traumprinzen", bevor sie das Publikum mit Passagen aus ihrem Werk über einen Geburtstag in der Familie, das Schmökern in alten Teenie-Tagebüchern und köstlichen Seitenhieben auf ihre ältere Schwester zum Lachen brachte.
Vieles erfunden
Manches sei echt, doch vieles erfunden gestand sie. Ihr Markenzeichen sei, dass alle Heldinnen Brillenträger seien. Frauen mit kleinen Sehfehlern eben, verriet die 42-jährige Mutter eines zehnjährigen Sohnes aus Wallau, deren nächster Roman "Frauenzimmer frei" im Dezember erscheint.
"Irland ist mein Lieblingsland, inzwischen war ich schon sechs Mal dort", erklärte Inez Corbi den Schauplatz ihres historischen Romans "Die irische Rebellin", in dem eine 17-jährige Waise sich Aufständischen anschließt, die Ende des 18. Jahrhunderts gegen die britische Vorherrschaft kämpften. In ihren Leseproben tauchen die Zuhörer in die Dramatik der Flucht vor Verfolgern ebenso ein wie in die knisternde Erotik mit ihren Mitstreitern. "So, hier höre ich auf", ließ die 41-Jährige aus Hofheim die Lauschenden im Regen stehen und schilderte zugleich ihren langen Weg, bis es zur Veröffentlichung ihres Erstlingswerkes kam. "Es ist wichtig, einen Fuß in der Tür zu haben", schilderte Inez Corbi ihren schriftstellerischen Werdegang, der sie bei Absagen oft zweifeln ließ.
Erster Taunus-Krimi
Davon kann auch Nele Neuhaus ein Lied singen, doch sie ging das Problem offensiv an und veröffentlichte ihren ersten Taunus-Krimi im Eigenverlag. Erst ihr drittes Werk wurde vom Ullstein-Verlag "entdeckt" und seither erfahre sie als Autorin andere Anerkennung. War es das oder ihr Naturell, flockig-locker über sich und ihr neues Werk "Tiefe Wunden" zu reden, sie erwies sich als Zugpferd des Abends, plauderte munter drauflos über Kontakte zur Kripo in Hofheim, Recherchen, ihre Intension, mit dem Buch "Tiefe Wunden" Geschichten ihrer Mutter über Flucht und Vertreibung zu verarbeiten.
Ihre Kostproben waren spontan zusammengewürfelt, mal krimilike wie die Schilderung des Leichenfundorts, mal witzig-ironisch wie die Suche nach einem Abendkleid der Ermittlungsbeamtin Pia Kirchhoff mit Größe 42.
Auch beim Signieren schoss Nele Neuhaus eindeutig den Vogel ab, wobei die beiden Neulinge an Erfahrungen sicher viel profitieren konnten.
