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Literatur 

Sex im richtigen Leben

28.10.2009 - ELTVILLE

Von Verena Hoenig

AUFKLÄRUNG Wie gehen die Verlage mit der "Generation Porno" um?

Angeblich haben Teenager immer früher und öfter Sex. Auf dem Schulhof werden Hardcore-Filme getauscht: Internet und Mobilkommunikation machen den Zugang und die Verbreitung einschlägigen Materials leicht wie nie zuvor. Jungen wie Mädchen huldigen so genannten "Porno-Rappern" und prahlen mit der Zahl ihrer Sexpartner. Man bekommt den Eindruck, es gehe um einen Wettbewerb. Je mehr Sexualkontakte, desto höher das Ansehen in der Gruppe. Die Medien stürzen sich lustvoll auf das Thema, sprechen von sexueller Verrohung der Jugend und rufen die "Generation Porno" aus.

Soziologen, Sexualforscher und Erziehungswissenschaftler sehen jedoch keine Grundlage für die mediale Hysterie. Es komme nur bei sehr wenigen Jugendlichen zu einem riskanten Sexualverhalten. Zwar sei die Schamgrenze gesunken, aber das Überangebot bewirke, dass die echte Intimität bei jungen Menschen immer wichtiger werde. Eine Beobachtung, die die aktuelle Dr.-Sommer-Studie der Zeitschrift Bravo bestätigt: Jugendliche sehnen sich verstärkt nach Romantik, Nähe, Zärtlichkeit. Wie passt das zusammen?

Und wie bleiben diejenigen, die Aufklärungsbücher veröffentlichen, am Puls der Zeit? Wir haben die zuständigen Lektoren in mehreren Verlagen gefragt, ob sie bei ihrer Arbeit die "Generation Porno" vor Augen haben. Inga Piel vom Verlag an der Ruhr verneint dies: "Es ist eine weit verbreitete Meinung, dass Jugendliche angeblich alles über Sex wissen, doch genau wegen dieser Fehlmeinung trauen sie sich häufig nicht, nachzufragen. Das steht im Gegensatz zur postulierten `Generation Porno´. Genau da haben wir bei ,Sex, Zahnspangen & der andere Stress´ angesetzt."

Sabine Zürn von Ravensburger findet das bewusste Schlagwort ebenfalls problematisch. Der von ihr verantwortete Band mit dem schlichten Titel "Das Aufklärungsbuch" bietet ein Kontrastprogramm zur reißerischen Sprache und den aufreizenden Bildern der Medien. "Wir sprechen ganz offen alle Themen rund um Liebe und Sexualität an, setzen aber auf einfühlsam vermittelte Informationen und ermutigen Jugendliche, sich mit dem Zeitpunkt erster sexueller Erfahrungen nicht von den Medien oder der Clique bedrängen zu lassen."

Malte Ritter von Bloomsbury betreute "Liebeserklärungen. Ein Sex-Buch" und resümiert: "Wirklich interessant wird es ja trotz Internet erst im `richtigen´ Leben, in der eigenen Erfahrungswelt. Dann stellen sich viele Fragen, und große Unsicherheiten treten auf, wenn es darum geht, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen. Das kann ein Prozess sein, der sich lange hinzieht und schwierig ist."

Im Mädchenratgeber "Von wegen Licht aus, Augen zu!" lassen manche Begriffe Eltern wahrscheinlich entsetzt nach Luft schnappen. Solche Ausdrücke wären noch vor wenigen Jahren tabu gewesen. Valerie Flakowski berichtet, dass der Verlag und die Autorin für das Buch nicht nur mit Frauenärzten und Psychologen zusammengearbeitet, sondern auch Internetforen und Zeitschriften für Jugendliche ausgewertet hätten, um möglichst nah an der Zielgruppe zu sein.

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