Der Mainzer Grafiker Oliver Schmitt illustriert Walter Moers‘ Bücher
27.01.2012 - MAINZ
Von Jens Frederiksen
Neben dem Friseursalon Ibrahim geht‘s durch die Toreinfahrt in den Hinterhof. Ein bisschen Szene-Anmutung mitten in der Mainzer Neustadt: In der Nachbarschaft gibt es Elektro- und Gemüseläden, zwei Ecken weiter lockt eine Buchhandlung mit Kaffeeausschank. Hier hat, verborgen im Pavillon-Anbau hinter einem gemächlich vor sich hin welkenden wilhelminischen Vorderhaus, der Ventil-Verlag seinen Firmensitz. Ein Nischen-Verlag, spezialisiert auf Pop-Kultur (bestverkaufter Titel ist das „Ox-Kochbuch“ - Motto „Kochen ohne Knochen“). Und hier arbeitet, von Bücherregalen umstellt, der Grafiker Oliver Schmitt.
Seit zehn Jahren nicht gesehen
Oliver Schmitt? Muss man zunächst mal nicht kennen. Wer allerdings in den prachtvollen, auch in Typografie und Bebilderung so wunderbar eigensinnigen Büchern des Roman-Tüftlers Walter Moers, Erfinders des Fabellands Zamonien, blättert und bis zum Copyright-Vermerk vordringt, wird unweigerlich unter der Kennung „Layout und Satz“ auf diesen Oliver Schmitt, Mainz treffen.
Wenn sich aber schon der in Hamburg wohnende Walter Moers selber seit Jahren erfolgreich vor Öffentlichkeit und Journaille wegduckt, wie werden es dann seine Mitarbeiter handhaben? Nun: Bei Oliver Schmitt haben wir Glück - er ist zum Gespräch bereit.
Keine Chance allerdings, in dem Pavillon-Domizil des Ventil-Verlags (dessen Mitinhaber Oliver Schmitt ist) zufällig auf Walter Moers zu treffen. Oliver Schmitt, Jahrgang 1968, bekennt frei heraus, Walter Moers von Angesicht zu Angesicht seit zehn Jahren nicht mehr gesehen zu haben.
Aber kann man so überhaupt zusammenarbeiten? Im Zeitalter von E-Mail und Internet kann man, sagt Oliver Schmitt. Wichtiger als die räumliche Nähe sei die Antenne für den Witz des anderen, für dessen Weltsicht. „Ich wäre auch ohne Arbeitsaufträge ein Fan von Walter Moers.“ Und der arbeitet nur mit Personen zusammen, die er kennt. Wobei Moers die „Grundidee“ für die Gestaltung seiner Bücher immer gleich mitliefere. Dem Grafiker obliege lediglich die Umsetzung.
Dennoch: „Typografie ist wie ein riesiges Puzzlespiel“, sagt Oliver Schmitt. Drei bis vier Wochen nehme die Zusammenführung so eines Moers-Romanpuzzles nach Moers‘ Anleitung in Anspruch. Die Zeichnungen einpassen, die verschiedenen Schriften wählen (eine Fraktur bei altertümlichen Zitaten, eine Mini-Schriftgröße bei der wörtlichen Rede eines „Winzlings“) - all das will erst realisiert sein. Aber die Handzeichnungen selber, auch die Hinweise, wo die Schriftart zu wechseln sei - das kommt von Walter Moers.
Moers-Kosmos fürs E-Book
Prosaisch wie die aktuelle Zusammenarbeit sind dem Mainzer Grafiker auch die Anfänge in Erinnerung. Keine beglückende Zufallsbegegnung - der Eichborn-Verlag in Frankfurt suchte Ende der 90er Jahre einfach einen Grafiker für den ersten Roman des bereits durch seinen Comic „Kleines Arschloch“ und die Figur des Käpt‘n Blaubär bekannten Walter Moers, suchte einen Layouter für die „13½ Leben des Käpt‘n Blaubär“ - und fand ihn in Oliver Schmitt, der gerade in Mainz sein Studium mit Schwerpunkt Buchgestaltung absolviert hatte.
