„Vater Mutter Mörder“ im ZDF stellt die Frage nach dem Bösen aus Eltern-Perspektive
07.02.2012
Von Viola Bolduan
Mainz. Ein harter Film. Ein selten konsequenter dazu. Die drei Toten gibt es von Anfang an, und es wird nicht um sie gehen. Sondern um den, der getötet hat. Ein sechzehnjähriger Junge aus bürgerlichem Elternhaus. Nichts hat ihm gefehlt, und dennoch . . .
Der für Drehbuch und Regie verantwortliche Nikolaus Stein von Kamienski, genannt Niki Stein, hat sich für seinen neuen TV-Film an ein tabubeladenes Thema gewagt. Wie werden Eltern damit fertig, wenn das Kind gemordet hat? Welche Vorwürfe und Selbstvorwürfe können sie ertragen, durch wie viele Leugnungen und Fluchten müssen sie hindurch, um was zu erkennen und zu akzeptieren? „Vater Mutter Mörder“ heißt der Film - zwar programmatisch klar, doch reißerisch für eine Geschichte, die die Kombinationen „Vater-“ oder „Muttermörder“ ausschließt, vielmehr Vater und Mutter in Konfrontation mit ihrem Mörder-Sohn zwingt. Sie tut es mit ganz hervorragenden Darstellern: Silke Bodenbender ist eine kluge, stille, bedrückte Mutter, Heino Ferch der laute und aggressive Vater. Das Ehepaar Wesnik in seiner brandenburgischen Idylle kann die Tat ihres Sohns Lukas nicht fassen.
Die Idylle wird zum Chaos der Gefühle und zum Spießrutenlauf durch das Dorf. Eine Familienexistenz steht auf dem Spiel. Mutter Esther schließt ihre Praxis als Physiotherapeutin, Tochter Marlene wird ins Internat nach England geschickt; die Eltern ziehen um - und Vater Tom nimmt Reißaus. Fast.
Die härteste Probe für alle, ob Vater, Mutter oder Mörder, dringt immer deutlicher ins Geschehen: Wie geht man mit Schuld um? Zwei Selbstmordversuche des Sohns dokumentieren, sie kann nicht ertragen werden. Der Vater nimmt Zuflucht zum Gedanken einer Schuldunfähigkeit. Die Mutter ist ratlos, liebt den Sohn aber trotz dessen Schuld. Das setzt Lukas‘ eigenes Schuldeingeständnis voraus. Bei ihm klingt das nur indirekt: „Ihr seid nicht schuld,“ teilt er den Eltern mit. Und ist mit sich selbst damit aber noch nicht zu Ende . . .
Keine Antwort
Niki Steins Film erklärt nicht, er stellt in scharfer Kontur ein Psychogramm vor Augen, das die Frage von Eltern stellt: Warum ist der Sohn zum Mörder geworden? Und lässt als Antwort gelten, dass es keine gibt. Was bleibt, ist Akzeptanz der Realität und Solidarität. Man kann es auch Liebe nennen. Ein starker Film, der jedes Krimi-Klischee eiskalt überrollt. Unbedingt sehenswert.
