Digitale Malerei des Stuttgarters Daniel Sigloch in der Galerie Witzel in Wiesbaden
06.02.2012 - WIESBADEN
Von Christine Dressler
In Erinnerungen verschmelzen diffuse Eindrücke zu subjektiv stimmigen Bildern. Dieses Phänomen nutzt der gelernte Steinbildhauer Daniel Sigloch für seine digitale Malerei. Das Dutzend Landschaftsgemälde, das der 41-jährige Stuttgarter unter dem Titel „Durchlicht“ in der Galerie Witzel zeigt, entstand in diesem Winter.
Am stillen Ionischen Meer aufgenommen, berauscht die eine Serie mit tosender Brandung, wogegen die andere ebenso menschenleer mit dem Bergwald am Schwarzwälder Belchen im Frühnebel verzaubert. Faktisch schlicht falsch von halb gebrochenen Wellen bis zum Sonnenlicht, das von unten aus dem Wald bricht, wirken die Natureindrücke mit ihrer frappierend tiefen Räumlichkeit so harmonisch wie dominant. Ausdruck und Technik rücken Sigoch in die Nachfolge Caspar David Friedrichs. Wie der Romantiker ein Landschaftsgemälde aus hunderten Skizzen schuf, bannte Sigloch die Natur von verschiedenen Standpunkten durch Schnappschüsse im Liegen von auslaufenden Miniwellchen am Ionischen Ufer und bei der Wanderung auf den Belchen.
In Lasuren mit geringer Deckkraft legt er mittlerweile ohne Rücksicht auf die chronologische Abfolge gut 300 Digitalfotos für ein Bild am Computer aufeinander. Die erste Hälfte bildet die Grundierung. Indem Schnittmengen der Motive Schärfe erzeugen, kristallisiert sich nach 150 bis 200 Fotos sukzessive eine Landschaft heraus, der die letzten 20 Schichten Prägnanz verleihen. Anders als die Farb- oder Schwarzweiß-Großformate auf Fotopapier hinter Plexiglas oder auf Bütten druckt Sigloch die Miniaturen zwar ebenfalls mit PC-Hilfe auf Folien, reibt die Farbe, die an ihnen haftet, aber dann in 40 bis 50 Schichten per Hand auf Aquarellpapier.
