Hohes Lied auf die Musik gesungen
01.06.2010 - GINSHEIM
Von Ulrich von Mengden
GINSHEIMER Kantorei Viele Glückwünsche zum 90-jährigen Bestehen des Chores
Wie feiert eine Kantorei ihren 90. Geburtstag? Am Sonntag war das zunächst bei einem Festgottesdienst in der evangelischen Kirche zu erleben. Natürlich ließ es sich dabei das Geburtstagskind mit seinem Dirigenten Armin Rauch nicht nehmen, sich quasi selbst ein Ständchen zu bringen, indem auch am Ehrentag, das gemacht wurde, was schon zur Vereinsgründung vor 90 Jahren ausgemachtes Ziel war: Die Lobpreisung Gottes durch den Gesang zu verkünden. Unterstützung fand der Vokalchor durch den evangelischen Posaunenchor, dirigiert von Michaela Heimann, die für ihren erkrankten Vater Hans-Benno Hauf eingesprungen war.
Ein prächtiges kirchenmusikalisches Organ wuchs auf diese Weise zusammen, das ein großes Füllhorn geistlich durchdrungenen Liedgutes bot. Armin Rauch wechselte zwischen Keyboard, Orgel und Dirigentenpult hin und her, um den Takt für Bachkantaten aber auch Gospelliedern und Spirituals anzugeben. Sopranistin Brigitta Schlechta erfreute mit einem konzentrierten Beitrag aus Felix Mendelssohn Bartholdys „Elias“. Immer wieder brandete Applaus auf, insbesondere zum Ende zu, wo irische Segenswünsche gute Laune verbreiteten und der Posaunenchor ein swingendes „Amen“ durch die Kirche wuchtete.
Das Hohe Lied auf die Musik hob auch Pfarrer Wilfried Ritz an. Von deren Kraft berichtet die Bibel an vielen Stellen. Wie eine Jakobsleiter verbinde die Musik die Erde mit Himmel, zitierte er den Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel. Ein gedeihliches Wachsen wie einem Baum wünschte Ritz seinem Chor, mit Blüten und Früchten zur rechten Zeit, auf ,,dass die Vögel die Himmels darin nisten können“.
Bei dieser Formulierungskunst waren nicht nur die Kantoreimitglieder gerührt. Im Gemeindehaus schloss sich ein langer Reigen von Reden auf den Jubiläumschor an.
Kantorei-Vorsitzende Sabine Jost begrüßte eine große Anzahl von Kirchenvertretern, Politikern und Vereinsvertretern, die sich alle der Kantorei verbunden fühlen. Großer Applaus brandete auch auf als sie sich bei Helga Schmidt, der guten Seele des Chores bedankte, wie sie sich nur jeder Verein wünschen könne. Kirchenvorsteherin Verena Scholian referierte zur ganzheitlichen Wirkung von Musik, die ja bekanntlich beide Hirnhälften gleichermaßen stimuliere. „Wo Sprache aufhört, da fängt Musik an“, sprach auch Bürgermeister Richard von Neumann die Macht der Musik an, die an diesem Tag alle spürten. Dekan Kurt Hohmann sahen 90 Jahre kirchenmusikalisches Schaffen in Ginsheim eingebunden „in den großen Lobgesang der gesamten Schöpfung“. SKG-Vorsitzender Klaus Metzger wünschte für die örtliche Vereinswelt das Allerbeste. Ihn würde es freuen, wenn der Chor auch zu seinem 100. Geburtstag noch so jung bleibe, wie er sich momentan präsentiere. Für den katholischen Pfarrverband Mainspitze überbrachte Pfarrer Karl Zirmer die besten Wünsche.
Unter anderem erinnerte er daran, dass viele seine Mitglieder an den zeitlich begrenzten Chorprojekten teilnehmen würden und ebenso auch die Teilnahme der Kantorei an der Fronleichnamsprozession ein Beitrag zur gelebten Ökumene sei. Renate Stahl von der Historischen Tanzgruppe hob Verbindungen zwischen Musik und Bewegung heraus und Wally Riesel demonstrierte mit Partnerin wie stilvoll zu Zeiten der Wiener Klassik der „Ländler“ getanzt wurde. Stilvoll übergaben zwei Damen in Renaissance-Kostümen ein Präsent. Für die CDU sprach Rudolf Guthmann, der selbst zehn Jahre aktiv im Chor dabei war. Er erinnerte nicht nur an die vielen Kirchenkonzerte, sondern freute sich ebenso, dass aus dem Chor heraus die Idee für das bis heute beliebte Volksliedersingen geboren wurde.
