Künftig kein Rathaus mehr in Gustavsburg?
10.01.2012 - GINSHEIM
Von Ulrich von Mengden
Gut besucht war der Neujahrsempfang des CDU-Gemeindeverbandes am Sonntag im Bürgerhaus. CDU-Vorsitzender Lothar Nachtmann begrüßte unter anderem den neuen Rüsselsheimer Oberbürgermeister, den 31-jährigen CDU-Politiker Patrick Burghardt, und dessen Nachfolgerin im Hessischen Landtag, die Bischofsheimer Christdemokratin Sabine Bächle-Scholz.
Auffallend viele örtliche SPD-Politiker befanden sich unter den Gästen. Seit der Kommunalwahl im März 2011 gibt es eine Art „Vernunftehe“ zwischen Christ- und Sozialdemokraten. Nachtmann lobte die „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ und äußerte Zuversicht, dass schwierige Probleme, wie die angespannte Haushaltslage und die Schaffung von Ortszentren durch die Zusammenarbeit einer Lösung zugeführt werden könnten.
Als Hauptredner des Empfangs sprach der Umweltbeauftragte des Bistums Mainz, Dr. Franz Josef Hock, zu Fragen der Bewahrung von Gottes Schöpfung. In dem mit Zitaten von Philosophen, Religionstheoretikern und Umweltschützern gespickten Referat, behandelte Hock die zentrale Frage, ob der Mensch die Erde beherrschen oder bewahren solle. Hocks Antwort fiel mit Hinweis auf die Frankfurter Rabbinerin Elisa Klapheck eindeutig aus. Die jüdische Geistliche hatte erklärt, dass Gott Gläubiger seiner Schöpfung sei und die Menschen seine Schuldner wären, die zur Bewahrung aller natürlichen Ressourcen verpflichtet wären.
Jeder Einzelne könne dazu seinen Beitrag leisten, forderte der Umweltbeauftragte im Dienste der Kirche auf. Das reiche unter anderem vom teilweisen Verzicht auf das Autofahren über den bewussten Umgang mit Heizenergie bis zum Einkauf von regionalen Produkten, stellte Hock eine lange Liste auf. Frischen Wind brachten die Sternsinger in die Versammlung. „Kinder haben Rechte“, skandierten sie im Stile eines Protestzuges und hielten Schilder hoch, auf denen beispielsweise das Recht auf Bildung, Gewaltfreiheit oder Gerechtigkeit eingeklagt wurde. Freilich begleiteten den Segen für das Haus, den sie überbrachten, auch die tradierten Lieder der Heiligen drei Könige.
Einen Ausflug in die Lokalpolitik machte CDU-Fraktionsvorsitzender Mario Bach, wobei er viele brisante Themen ansprach. Überraschend war dabei zu hören, dass in den Planungen steht, auf das Rathaus in Gustavsburg verzichten zu wollen und die Gemeindeverwaltung künftig unter einem Dach zu vereinen. Beim Thema „Fluglärm“ verärgerte ihn, dass jetzt wieder so intensiv über das Nachtflugverbot diskutiert würde, wo er doch selbst als Fraport-Mitarbeiter mit der festen Überzeugung durch die Lande gezogen sei, dass der Flughafenausbau nur unter Garantie der Nachtruhe realisiert werde. Zum umstrittenen Bau des Ginsheimer Hochwasser-Schutzdammes gab sich Bach überzeugt, dass die mehrheitlich in der Gemeindevertretung beschlossene Lösung eines Neubaus die größtmögliche Sicherheit vor Hochwasser biete.
