Von Hildegund Klockner
FREIWILLIGENDIENST Laura Rottenbacher arbeitet in Waisenhaus und baut „Erste-Hilfe-Zentrum“ mit auf
In unserer Serie „Jung und engagiert“ stellen wir heute die ehemalige Flörsheimer Schülerin Laura Rottenbacher vor, die drei Monate lang - von 13. Januar bis 13. April - als Freiwilligdienstleistende in Kenia gearbeitet hat.
„Fastnacht war echt sehr traurig“, berichtete die 20-jährige Eddersheimerin gegenüber der „Main-Spitze“. Als eingefleischte Fastnachterin - die Kampagne 2010 wäre ihre vierte als Tänzerin im FCV-Showballett „Inkognito“ gewesen - habe sie vor allem am Fastnachtswochenende oft an Flörsheim gedacht. Und zwar so viel wie die ganzen drei Monate nicht: „Aber ich habe in Kenia Erfahrungen gemacht, die keiner von meinen Freunden hier hat und dafür hat sich dieses Opfer auf jeden Fall gelohnt“.
Zur Vorgeschichte: Nach dem Abitur 2009 konnte sich Laura Rottenbacher noch nicht für eine Ausbildung oder ein Studium entscheiden. Die Englisch- und Matheleistungskurs-Schülerin bekam von ihrer Englischlehrerin Ursula Magney den Tipp, sich beim Freiwilligendienst IJGD (Internationale Jugend-Gemeinschaftsdienste) zu bewerben. Gerne hätte Laura ein Projekt in Südafrika unterstützt - ein Land, das sie von einem Urlaub mit ihrer Familie schon kannte. Dann hätte sie aber für ein ganzes Jahr zusagen müssen. Doch sie wollte noch Zeit für einen späteren Aufenthalt in Neuseeland als Au Pair haben. Bei einem Vorbereitungsseminar entschied sie sich für Kenia - „eine Entscheidung, die ich nie bereut habe.“
Die ersten drei Wochen arbeitete sie in einem Workcamp im Westen des Landes in der Nähe des Victoria-Sees zusammen mit anderen internationalen Freiwilligen. Dort hat sie mitgeholfen, ein „Erste-Hilfe-Zentrum“ von Grund auf mit aufzubauen: Ohne Maschinen und großes Werkzeug haben die Jugendlichen nur unterstützt von zwei bezahlten Mitarbeitern eine Wiese entgrast, das Fundament ausgegraben, Grundmauern gebaut und Ziegelsteine selbst hergestellt. An manchen Tagen arbeitete Laura im Küchenteam: „Dort konnte ich mich gut an die dortigen Verhältnisse gewöhnen, an ein Leben ohne Strom und fließend Wasser und an die traditionellen Gerichte.“
Acht Wochen betreute Laura dann im Waisenhaus „IMANI“ (Kisuaheli für Glaube) vor allem Aidswaisen. Die zehn bis 14 Kinder in ihrer Abteilung waren zwischen zehn und 18 Monate alt. In dieser Einrichtung war die Ex-Abiturientin die einzige Freiwillige. Aus dieser Zeit nennt sie „besonders traurige Momente“, wenn Kinder, die eingenässt hatten, von den Betreuern geschlagen wurden - „für etwas, für das sie gar nichts konnten!“
„Der Aufenthalt war in jedem Fall ein Gewinn, alleine um das Leben auf einem anderen Teil der Erde mit ganz anderer Geschichte und ganz anderen Voraussetzungen einmal kennen zu lernen“, resümiert Laura, die schon fest vorhat wieder zu kommen. Dann aber als Urlauberin an die wunderschöne Küste Kenias...
Heimweh hatte sie als Vielbeschäftigte nie. Kontakt nach Hause, zu ihrer Familie und Freunden hat sie über die zahlreichen Internetcafés über E-Mail sowie Skype problemlos halten können. Mit einer kenianischen SIM-Karte konnte sie sich kostenlos anrufen lassen, 10 Cent kostete sie eine SMS nach Deutschland.
Bereits am 18. April sollte es weitergehen mit dem Au Pair Aufenthalt in Neuseeland und einem Zwischenstopp auf der Hinreise bei Verwandten in USA. Doch der „isländische Vulkan ist mir in die Quere gekommen.“ Erst zehn Tage später, am vergangenen Mittwoch konnte Laura Rottenbacher „nach viel nervenaufreibendem Telefonieren mit der Airline“, endlich abheben. Sie wird ihre Verwandten jetzt wahrscheinlich auf dem Rückflug besuchen. Zur Fastnacht 2011 will sie auf jeden Fall wieder in Flörsheim sein und plant im Wintersemester 2011 mit einem Physiotherapie-Studium zu beginnen.
