VORTRAG Karlheinz Schenk erzählt, wie der Glaube nach Wicker kam
(hbk). Mehr als 50 Bürger interessierten sich am Montagabend für den Vortrag "Wie und durch wen kam der Glaube nach Wicker?" zu dem die Pfarrgemeinde St. Katharina ins Pfarrheim eingeladen hatte. Für den ursprünglichen, aber an Grippe erkrankten Referenten, den Frankfurter Kirchenhistoriker Dr. Matthias Thomas Kloft, war der Wickerer Heimatforscher Karlheinz Schenk eingesprungen.
Schenk ist Autor des "Wickerer Heimatbuches", das anlässlich der 1100 Jahr-Feier ab dem 9. April verkauft wird und hat sich große Verdienste um die Pfarrei St. Katharina erworben, als er die Kirchenchronik "in lesbare Schrift übertrug", so Gemeindereferentin Bettina Pawlik in der Begrüßung.
Schon vor der Ersterwähnung Wickers in einer Schenkungsurkunde des Mainzer Erzbischofs Hattos I. im Jahr 910, muss es eine Siedlung am Bach mit Kirche gegeben haben. Schließlich läuft der Bonifatius-Weg von Mainz nach Fulda über Wicker. Der Leichenzug mit dem ermordeten Missionar Bonifatius ist auf das Jahr 754 datiert. Eine erste Kirche in Wicker wird in einem Nebensatz der Bierstädter Urkunde aus dem Jahr 927 erwähnt. Die Historiker sind sich einig, dass es eine Eigenkirche des Frankenkönigs Otto des Großen war, da dieser darin Einnahmen aus dem Wickerer Kirchenbesitz an das St. Ursula-Kloster nach Köln verschenkte. Ein erster Beleg für Weinanbau in Wicker ist für das Jahr 970 dokumentiert, sicherlich gab es aber schon 100 Jahre früher Weinberge. Eine Pfarrei St. Katharina ist für das Jahr 1290 belegt, eine Epoche, in der die Verehrung dieser Heiligen in Mitteleuropa sehr ausgeprägt war. Erster Pfarrer war Pfarrer Wiegand - wie seine Pfarrkinder in dieser Zeit noch ohne Familiennamen - , der 1294 aus Dietz abgeordnet worden war.
Zum Ende seiner Ausführungen ging Karlheinz Schenk auf die "berühmte Wickerer Pieta" ein, die für den Neubau der 1361 abgebrannten Holzkirche angefertigt wurde. Es handelt sich um eine umgearbeitete Sitzmadonna, der eine fremde Jesusfigur in den Schoß gelegt wurde. Die Gesichtszüge und der Faltenwurf weisen eine große Ähnlichkeit mit einer Grabmalsfigur in der Frankfurter Nicolai-Kirche auf, deren Entstehungszeit vor 1400 bestimmt ist. Die Wickerer Pieta ist also zwischen 1361 und 1400 entstanden und von unschätzbarem Wert. Ein Museumsdirektor aus Wiesbaden erwarb sie 1935 rechtmäßig für weniger als 1000 Mark. "Alle Versuche, die Madonna zurück nach Wicker zu bekommen, sind gescheitert. Die Realität sieht so aus, dass wir sie nicht klimatisiert und diebstahlsicher in Wicker unterbringen können", bedauerte Karlheinz Schenk.
