Von Ralf Schuster
Protestkundgebung vor Rüsselsheimer Standort / Betriebsrat: "Wahnsinn in den Weg stellen"
Es war kein Streik, aber eine deutliche Warnung: In der Mittagspause fanden sich gestern an die 1000 EDS-Beschäftigte, mit Transparenten und Trillerpfeifen ausgerüstet, auf der Fläche des stillgelegten Brunnens vor ihrer Zentrale im Hasengrund-Gewerbegebiet zum Protest ein.
Dazu waren in einer Art Sternmarsch-Aktion auch Mitarbeiter weiterer deutscher Standorte des IT-Dienstleisters gekommen, sie hatten sich eigens Urlaub genommen. Außerdem gab es Solidaritätsbekundungen von anderen Firmen, wie auch Opel, sowie von Politikern. Vor zwei Wochen hatten die Angestellten, wie in der "Main-Spitze" schon berichtet, überraschend vom geplanten Abbau von 1150 Arbeitsplätzen durch ihren neuen Hausherren HP erfahren, der EDS erst im August übernommen hatte. Damit würde "ohne Sinn und Verstand", wie die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Sabine Bube sagte, jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland vernichtet. In Rüsselsheim, dem größten Standort, wären es nach diesen Berechnungen 400 von 1600 Jobs, die wegfallen. Vorgesehen ist derzeit ein Zeitrahmen bis Oktober 2010. Dabei, so machten die Betriebsräte gestern auch in einer Pressekonferenz vor Funk und Fernsehen deutlich, habe man nach Restrukturierung der letzten Jahre, in Rüsselsheim wurden bis zu 300 Arbeitsplätze abgebaut, gerade wieder schwarze Zahlen geschrieben. Der Personalabbau sei von der wirtschaftlichen Lage her "überhaupt nicht gerechtfertigt", machte Betriebsratsmitglied Stephan Buchal deutlich. Aus Wut und möglicherweise auch aus Angst, denn man rechnet mit betriebsbedingten Kündigungen, haben die Gewerkschaften IG Metall und Verdi in den letzten Wochen einen regelrechten Zulauf von EDS-Mitarbeitern erhalten. Sie richteten nun gestern die Protestkundgebung in der Eisenstraße aus. "100 Prozent für unsere Kunden statt 25 Prozent Abbau", stand auf Transparenten. Weitere Aktionen können folgen: "Wir werden uns diesem Wahnsinn in den Weg stellen", hieß es von der Bühne herunter. Seitens des Betriebsrates wird derzeit über eine Ablehnung von Überstunden nachgedacht. Die Bitte der Geschäftsleitung um eine Unterstützung ihrer Pläne bezeichnete Sabine Bube als kaum zu überbietende Unverschämtheit: "Wir gehen nicht den Weg der Existenzvernichtung mit". Der SPD-Bundestagsabgeordnete Gerold Reichenbach erhielt auf der Kundgebung Beifall, als er erwähnte, dass Marx klüger gewesen sei als Ackermann, denn nicht Geld sei das wichtigste, sondern die Arbeitskräfte. Auch sein CDU-Kollege Gerald Weiß sprach von "weltfremden Vorgaben von Geschäftemachern". Beide Abgeordnete hatten kurzfristig Termine verschoben, um an dem EDS-Protest teilzunehmen. Die Landtagsabgeordnete Meixner-Römer ließ sich wegen einer Sitzung entschuldigen. Für die Opel-Beschäftigten äußerte Christel Johann-Eggers vom Vertrauensleute-Vorstand Solidarität. Schließlich war EDS 1985 als Abspaltung von Opel entstanden. Die Gewerkschaften IG Metall und Verdi waren mit Vorstandsmitgliedern vertreten. Wirtschaft
