Diese Verfasserin behandelt die Thematik der erlegten Wildschweine unter ökologischen Gesichtspunkten. Bejagung zerstört Ordnung Die Jagd schadet dem ökologischen Gleichgewicht. Kaum jemand weiß es: Je mehr Wildschweine geschossen werden, desto stärker vermehren sie sich. Wieso das? Normalerweise sorgen erfahrene weibliche Wildschweine, die Leitbachen, für Ordnung in der Rotte und für Geburtenkontrolle. Die Hormone der Leitbachen bestimmen die Empfängnisbereitschaft aller Weibchen der Gruppe und verhindern, dass zu junge Tiere befruchtet werden. Keiler statten den Rotten nur Besuche zur Paarung ab. Fehlen die Leitbachen, weil sie bei der Jagd getötet wurden, löst sich die Ordnung auf: Führungslose Wildschweine brechen in die Felder und Gärten ein. Junge Bachen sind schon unter einem Jahr empfängnisbereit und bekommen Frischlinge. Viel zu viele. "Während früher Wildschweine einmal im Jahr Nachwuchs bekamen, gibt es jetzt dreimal im Jahr Junge", so der Biologe Kurt Eicher von der Initiative zur Abschaffung der Jagd. Die natürliche soziale Ordnung der Wildschweine ist durch die Bejagung zutiefst gestört. Die Jagd sorgt auch bei vielen anderen wildlebenden Tieren für den Zusammenbruch ihrer natürlichen Verhaltensweisen. Die Erkenntnisse der Ökologie und Wildbiologie müssen endlich ernster genommen werden als das verlogene Jägerlatein von "Hege und Pflege". Die Jäger verschweigen gern, dass sie Wildschweine und andere Wildtiere anfüttern und so selbst zu unnatürlich großen Populationen beitragen. Viele ethisch denkende Menschen wissen längst, was Jagd ist - Chaos und Töten. Sie gehört abgeschafft. Kirsten Kühlke Rüsselsheim
