Von Wolfgang Wenzel
Festival "Meeting of Styles" in Kastel
KASTEL Wieder lockt die Spraykunst beim internationalen Graffiti-Festival "Meeting of Styles". Ab kommendem Freitag will die Sprüherszene drei Tage lang am größten Graffiti-Kunstwerk im Rhein-Main-Gebiet arbeiten, das sich im Unterbau des Hochkreisels befindet.
Außerdem soll eine über 100 Quadratmeter große Wand eines Privathauses in der Ankertorstraße mit Motiven aus der Geschichte Kastels versehen werden. "Big Dreamers" lautet das Motto der Aktion, die Bestandteil der internationalen Festivalserie "Meeting of Styles" ist und in ähnlicher Weise auch in Städten wie New York, Chicago, Rio und Johannesburg abläuft. Ursprungsort ist Wiesbaden, wo die Szene im Schlachthof wirkte, bis sie nach Kastel kam und sich dort mit einem weiteren Graffiti-Projekt, das "Die Brücke" hieß, zu einer Einheit verschmolz. "Träumer stecken in keinen Schemata, sie blicken über den Tellerrand hinaus und entwickelten Träume sowie Visionen, an denen es heute überall fehlt, in der Gesellschaft, in der Politik, in vielen Bereichen", sagte der künstlerische Leiter Manuel Gerullis zum Motto. Stadtrat Arno Goßmann (SPD) war sich nicht sicher, ob das Festival im kommenden Jahr noch einmal aufgelegt werden kann. Angesichts anderer Mehrheiten im Stadtparlament sei nicht auszuschließen, dass das diesjährige "Meeting of Styles" das letzte sein werde, sagte der Sozialdezernent. Einen formalen Beschluss gebe es noch nicht. Ihn würde es freuen, wenn es so weiter gehe wie bisher. Legal ins Werk gesetzte Graffitis seien Teil der Jugendkultur und ein Ausdruck von Kreativität. "Doch nur auf zugelassenen Flächen. Sonst ist es kein kulturelles Ereignis", sagte Goßmann. Auf jeden Fall werde das Spraykunstfestival bleibende Eindrücke in Kastel hinterlassen, bekräftigte der künstlerische Leiter Gerullis. 80 Künstler aus 15 Ländern seien eingeladen, um ihre Entwürfe zu verwirklichen. Sie trügen Künstlernamen wie "Can 2" und "Hyde 1" und sind in Nordamerika, Russland, Finnland, Bulgarien und Spanien Größen ihres Fachs. Die Stadt unterstützt das Festival nach Kräften. Auch die Ortsbeiräte lassen 3000 Euro springen, damit in diesem Jahr wieder Farbenfreude in den Unterbau des Hochkreisels einkehren kann und die Motive wechseln. Daran satt sehen können sich viele sowieso nicht. Die Graffitis sind seit einigen Jahren zur Pilgerstätte einer kunstinteressierten Öffentlichkeit im Rhein-Main-Gebiet geworden, der viel daran liegt, die Motive fotografisch festzuhalten.
