Gespräch mit Beststeller-Autor Frank Schätzing über Bücher und Filme
"Halt mir doch bitte einen Platz frei", sagt Frank Schätzing zu seiner Frau Sabina Valkieser-Schätzing vor der Vorstellung, um sich zu einem Interview mit uns zurückzuziehen. Das ist vielleicht Koketterie, vielleicht auch Bescheidenheit. Schließlich ist der Bestsellerautor aus Köln ("Der Schwarm"), lässig in Jeans und Cowboystiefeln, an diesem Abend in der Wiesbadener Filmbühne Caligari der Stargast: Zur Eröffnung des Fernsehkrimi-Festivals ist zum ersten Mal öffentlich die Verfilmung seines Thrillers "Die dunkle Seite" zu sehen.
Herr Schätzing, wenn man Ihre Romane liest, hat man immer den Eindruck, dass das filmreife Stoffe sind. Stehen Sie dem Film besonders nahe? Schätzing: Ja, unbedingt. Ich habe eigene Filme im Kopf, die ich dann aufschreibe. Wenn man mich fragt, welchen Autor ich nennen könnte, den ich als Vorbild hätte, dann fällt mir immer keiner ein. Aber bei Filmen ist das anders. Haben Sie Lieblingsfilme? Schätzing: Wahnsinnig viele. Ein absoluter Lieblingsfilm ist immer noch "Das Kuckucksnest", aber auch "Pulp Fiction" und die Verfilmung von "Herr der Ringe" sind gelungen. "Die dunkle Seite" ist nicht das erste Buch von Ihnen, zu dem ein Film herauskommt... Nein, davor wurde schon "Mordshunger" verfilmt. Wie waren Sie bei beiden Filmen in die Produktion involviert? Für "Mordshunger" haben meine Frau und ich beim Drehbuch mitgewirkt, und ich war auch an der Musik beteiligt. Der Produzent ist ein alter Freund von mir, und er hat schon immer gesagt: Das muss man mal verfilmen. Dann haben wir eine gemeinsame Vorstellung entwickelt. Bei "Die dunkle Seite" bin ich erst später beratend dazu gekommen. Und wie ist das, wenn man seine eigenen "inneren Filme" dann als die Vorstellung anderer auf der Leinwand sieht? Schätzing: Ein Film ist ja etwas ganz anderes als ein Buch. Man muss eine andere Dramaturgie entwickeln, auf Charaktere verzichten. Ich finde, das ist bei "Die dunkle Seite" sehr gelungen. Das ist eine kongeniale Abbildung meiner inneren Welt. Und die muss den Vergleich zu Hollywood-Produktionen nicht scheuen. Apropos Hollywood: Uma Thurman hat sich gemeinsam mit Ica und Michael Souvignier die Filmrechte von "Der Schwarm" gesichert. Wie geht es jetzt da weiter? Interview Schätzing: Das geht gut voran. Mit Michael Souvignier ist ja auch ein Deutscher mit an Bord, der gemeinsam mit Dino de Laurentiis produziert. Das Drehbuch schreibt Ted Tally, der auch für "Schweigen der Lämmer" das Script verfasst hat. Ich bekomme das Drehbuch in zwei Wochen. Haben Sie persönliche Favoriten für die Rollenbesetzungen? Schätzing: Sicher könnte ich mir gut George Clooney als Sigur Johanson vorstellen, und es wäre natürlich toll, wenn auch Uma Thurman mitspielen würde. Aber ich fände es genauso gut, wenn unbekannte Darsteller dabei wirken. Das ist mit Melika Foroutan als Vera Gemini in "Die dunkle Seite" ja auch hervorragend gelungen. Vera Gemini ist ein Parade-Bespiel für die starken Frauen in ihren Romanen. Schätzing: Das kommt bei mir ganz intuitiv. Und Vera Gemini hat ja auch eine Geschichte hinter sich, eine Gewalt-Beziehung. Ich habe bei meinen Recherchen mit geprügelten Frauen gesprochen und festgestellt: Entweder, sie zerbrechen daran, oder sie legen sich einen Panzer zu und sind besonders tough. Ich bin froh, dass in der Verfilmung nicht so ein Weibchen daraus gemacht wurde. ...und der Leser konnte froh sein, dass sie bei Ihnen überlebt hat. Ihre Helden werden oft nicht besonders alt. Schätzing: (lachend) Wenn man ein Buch wie "Der Schwarm" schreibt, dann ist man damit zwei Jahre beschäftigt. Irgendwann gehen einem die Protagonisten auf die Nerven, da muss man dann mähen. Sie schreiben oft über Themen, die sehr zeitaktuell sind, fast prophetisch - wenn man zum Beispiel an das Thema Tsunami bei "Der Schwarm" denkt. Suchen Sie speziell danach? Schätzing: Ich habe keine Wünschelrute dafür, ich schreibe einfach, was mich fasziniert. Aber es ist tatsächlich so, dass viele Stoffe zum Trend wurden. Ich lese häufig Randnotizen und spüre: Da verdichtet sich was. Und wenn ich das spüre, dann greife ich das auf. Das war bei "Lautlos" das Thema Terrorismus, und bei "Die dunkle Seite" kommt eine Internetplatform wie Second life vor, die noch kaum jemand kannte, als ich das Buch schrieb. Bei so einer visionären Gabe - was kommt da auf uns zu in Ihrem nächsten Projekt? Schätzing: Das wird wieder ein Thriller. Aber der Inhalt ist natürlich geheim. Wann können wir den lesen? Schätzing: Ich denke, Anfang 2009. Aber der erste Mensch, der das zu lesen bekommt, ist meine Frau. Das Gespräch führte Birgitta Lamparth
