(red/dpa). In den 60er und 70er Jahren sollen in einem früheren Jungen-Internat des Bistums Mainz im hessischen Bensheim Schüler sexuell missbraucht und misshandelt worden sein.
Der damalige Leiter – ein Sozialarbeiter – sowie ein Priester stehen nach Angaben des Bistums unter dem Verdacht, Schüler massiv geprügelt haben. Beim damaligen Leiter stehe auch der Verdacht des sexuellen Missbrauchs im Raum. Das Bistum zeigte sich tief betroffen und bot den Opfern Hilfe an.
Der Beauftragte des Bistums für Missbrauchsfälle, Richard Seredzun, erklärte auf Anfrage, dass er in der letzten Woche einen Anruf eines ehemaligen Schüler erhalten habe, der das Konvikt von 1968 bis 1972 besucht hatte. Er berichtete von Fällen von körperlicher Züchtigung, aber nicht von Missbrauch. Nach Absprache mit dem Generalvikar und dem Justitiar ging das Bistum mit dieser Information an die Öffentlichkeit.
Anonymer Anruf bricht nach Medienberichten über andere Fälle sein Schweigen
Der Anrufer sah sich durch die breite Berichterstattung der vergangenen Wochen zum Thema Kindesmissbrauch ermutigt. Seredzun erklärte, dass er seit Antritt seines Amtes als Beauftragter für Missbrauchsfälle 2003 „noch nie Informationen zurückgehalten“ habe. Auch zu den jüngsten Fällen sei die Staatsanwaltschaft umgehend eingeschaltet worden. Die Aktenlage sei aber schwierig. Deshalb rief das Bistum ehemalige Schüler auf, sich zu melden, falls sie konkrete Angaben machen können.
Bei Seredzun haben sich am Mittwoch weitere ehemalige Schüler gemeldet. Während einer davon sprach, er habe sich im Konvikt sehr wohl gefühlt, berichteten andere, sie hätten von „Übergriffen und Misshandlungen erfahren oder sie bei Klassenkameraden beobachtet“. Das Knabenkonvikt war ein Internat für Schüler, die ein Gymnasium in Bensheim besuchten. 1981 wurde es geschlossen. Der Leiter sei 1979 aus dem Dienst des Bistums ausgeschieden.
Odenwaldschule: Weitere Ermittlungen, aber keine Anzeige
Die Justiz sucht weiter nach Fällen, die noch nicht verjährt sind. Auch im Fall der Odenwaldschule in Heppenheim schließt die Staatsanwaltschaft Darmstadt nicht aus, dass es nach 1999 noch zu Übergriffen auf Schüler gekommen sein könnte. Deswegen werde ermittelt, auch wenn es keine Anzeigen gebe, sagte der stellvertretende Behördensprecher Klaus Tietze-Kattge.
Für eine am Donnerstag anberaumte Pressekonferenz der Odenwaldschule wird erwartet, dass der Vorstand des Trägervereins seinen Rücktritt verkündet. Als Rücktrittstermin steht der 27.März im Raum.
Unterdessen gab es Berichte über den Missbrauch an Heimkindern im Vincenzhaus in Hofheim am Taunus. Dort habe es Anfang der 1960er drakonische Strafen wie auch sexuelle Übergriffe gegeben. Beim Träger der Einrichtung, dem Caritas-Verband Frankfurt, hätten sich drei mutmaßliche Opfer gemeldet.
