Spektakuläre Shows dienen als Magnet
24.02.2010
INTERVIEW Programmgestalter Andre Lieberberg setzt auf die Generation bis 30 / Bordellbesuch gehört für die Bands nicht mehr zum guten Ton
NÜRBURGRING Rock am Ring feiert Jubiläum. Programmgestalter Andre Lieberberg spricht über die Entwicklung des Festivals.
Andre Lieberberg, Sie sind mit dem Festival aufgewachsen. Was sind Ihre Erinnerungen?
Ich sehe mich auf Fotos mit überdimensionalen Kopfhörern auf der Bühne sitzend. Also wahrscheinlich war ich als Kind dort. Aber die ersten wirklich bewussten Erfahrungen habe ich dort während meiner Pubertät gemacht.
Sie sind verantwortlich für ein Wochenendvergnügen mit 160000 Fans. Können Sie in der Nacht davor gut schlafen?
Eigentlich schon. Jetzt ist eher der Zeitpunkt, wo ich unruhig schlafe. Derzeit muss geregelt werden, wie der technische Aufwand für die Bands gewährleistet und programmatisch der letzte Schliff angesetzt wird. An den Tagen davor muss alles klar sein.
Wann beginnt die Arbeit?
Zwei, drei Monate nach dem Festival beginnen wir mit der aktiven Planung. Diesmal haben wir früh angefangen. Schon im Juli 2009 haben wir mit Rammstein gesprochen.
Wie wichtig sind Namen?
Wir haben mit Sicherheit keine Festivalkultur wie in England, die ohne Programm im Vorfeld ausverkauft sind. Wir sind daher Headliner-abhängig. Bands wie Kiss, Rammstein oder Muse sind wichtig, weil sie große, unterhaltsame und spektakuläre Shows bieten.
Was zeichnet einen Headliner aus?
Erst mal müssen die anderen Bands akzeptieren, dass sie unter dem Headliner spielen. Er muss eine Zugkraft haben, also um die zehntausend Fans ziehen. Zudem muss ein Headliner aktuell sein und ein gewisses Repertoire haben.
Sind persönliche Kontakte wichtig?
Natürlich helfen Kontakte zu Managements und Agenten. Der Idealfall ist natürlich, eine Band zu entwickeln, mit ihr zu wachsen, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, bis zu einer gemeinsamen Arena-Tour und darüber hinaus. Mando Diao oder Linkin Park sind Bands, die wir von Anfang an begleitet haben. Es gibt aber auch den Kontakt, der über einen Festivalauftritt entsteht.
Gibt es überhaupt noch ein persönliches Verhältnis zu einzelnen Künstlern?
Die Strukturen sind professioneller und transparenter als vor 25 Jahren. Es gibt mittlerweile Tausende gut ausgebildeter Tourbegleiter, Produktionsleiter und Manager. Mir geht es ohnehin eher um eine Wertschätzung unserer Fähigkeiten als Veranstalter, unserer Kreativität und Professionalität. Aber auch die klassische Rock´n´Roll-Freundschaft gibt es noch. Mando Diao betrachte ich beispielsweise als Freunde.
Sex, Drugs and Rock´n´Roll ist ein Klischee, das oft bemüht wird. Ist das ein Märchen für Romantiker?
Die Künstler stehen unter extremem Druck, mit dem nicht jeder umgehen kann. Auswüchse werden aber nicht gefördert. Die durchzechte Nacht oder der Bordellbesuch gehören heute nicht mehr zu einer guten Tour. Es gibt eine Vielzahl von professionellen Betreuern, die aktiv gegensteuern. Auch viele Manager sind nicht mehr bereit, mit anzusehen, wie sich Künstler zugrunde richten. Der Druck, live Geld zu verdienen, ist zu groß. Trotzdem gibt es Künstler wie Amy Winehouse oder Pete Doherty, die ihren Exzess kreativ verarbeiten. Es ist nur die Frage, wie lange das gut geht.
