Mainz 05 und das Defensivverhalten: Im Raum besser als gegen den Mann
07.02.2012 - MAINZ
Von Rüdiger Lutterbach
Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass den Bundesliga-Fußballern des FSV Mainz 05 beim respektablen 1:1 im Auswärtsspiel gegen Schalke 04 endlich der entscheidende Durchbruch gelungen ist - und zwar beim Verteidigen gegnerischer Standards. „Es war schon eine Leistung, die vielen Eckbälle und Flanken der Schalker zu verteidigen. Und dafür gibt es für meine Mannschaft von mir ein dickes Lob“, stellte 05-Trainer Thomas Tuchel bei der Spielanalyse zufrieden fest. 13 Ecken und unzählige Flanken schlugen die Schalker vor das Mainzer Gehäuse, doch keine führte zu einem Tor.
„Genau dieses Spiel gegen die auf diesem Gebiet wohl schwierigste Mannschaft wollten wir dazu nutzen, den Umkehrprozess einzuleiten, so zu verteidigen, dass wir nachher sagen können: Das haben wir gut gemacht“, erläuterte Tuchel, dessen Elf in den vorangegangenen beiden Rückrundenspielen gegen Leverkusen (2:3) und Freiburg (3:1) drei Gegentreffer nach gegnerischen Eckbällen hatte hinnehmen müssen. Das macht - über den bisherigen Saisonverlauf gesehen - in der Summe 14 Gegentore nach Standardsituationen. Damit gehören die 05er zu den schlechtesten Teams der Liga. „Das wiegt schwer und nervt“, grantelte Tuchel.
Das seine Elf zwar die fünftwenigsten Chancen aller Bundesligisten zugelassen, gleichzeitig aber (gemeinsam mit Werder Bremen und dem Hamburger SV) die viertmeisten Gegentreffer kassiert hat, führt Tuchel nicht zuletzt auf die Standardschwäche zurück: „Das passt einfach nicht“, ärgert sich der 05-Coach, der vor dem Schalke-Spiel Konsequenzen zog. So ließ er seine Mannen bei gegnerischen Ecken und Freistoßflanken nicht mehr mit einer klaren personellen Zuordnung verteidigen, sondern im Raum.
Lob für die Innenverteidiger
Erst beim Abschlusstraining tags zuvor hatte Tuchel das Thema angerissen, die Positionen eingeteilt und zur praktischen Übung ein paar Flanken schlagen lassen. Tuchel: „Damit das jeder mal gefühlt und nicht nur auf der Tafel gesehen hat.“ Seine Spieler setzten das dann in der Veltins-Arena nahezu perfekt um. „Wir haben da eine Art Zonenverteidigung gespielt. Wobei der Trainer gesagt hat, dass wir das auch unbedingt wollen müssen“, erläuterte Mittelfeldspieler Eugen Polanski und zollte den beiden Innenverteidigern Nikolce Noveski und Niko Bungert ein Extra-Lob: „Man muss den Hut vor ihnen ziehen. Die standen da wie eine Mauer hinten drin.“
Auch Torhüter Christian Wetklo war mit dem Verhalten seiner Vorderleute mehr als zufrieden: „Das haben die Jungs bravourös gemacht. Das war definitiv ein Schritt nach vorne. Schließlich war es nicht einfach, so wie uns Schalke mit Flanken und Ecken bombardiert hat.“ Umso ärgerlicher, dass der Ausgleich durch Obasi schließlich doch aus einer Mainzer Fehlerkette (Soto, Pospech, Wetklo) resultierte. Doch das war letztlich auch der individuellen Klasse des Gegners geschuldet. Tuchel: „Die wechseln Farfan und Jurado ein und du denkst auf der Bank: Danke dafür! Da ist es immer möglich, dass du dir eins fängst.“
