Rassismus oder Kokolores? Eklat um Mainzer Rednerin nach ARD-Sendung
11.02.2012 - MAINZ / FRANKFURT
Von Werner Wenzel
Es ist Fastnacht, und die Wogen schlagen hoch. Was ist erlaubt in der Bütt? Diese Frage stellt sich aktuell wegen eines Vortrags der Mainzer Fastnachterin Dr. Patricia Lowin. Den Kokolores-Auftritt der Rednerin hatte die ARD vor mehr als einer Woche im Programm in der Sendung „Frankfurt: Helau!“. In ihrer Rolle als Aische warb die Fastnachterin in der Sitzung für den fiktiven Sender „Döner TV“. Das kam bei einigen Zuschauern nicht gut an.
Nachdem die Zeitung „Hürriyet“ sich über Türken-Witze echauffiert hatte, kam auch die Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessen zu dem Schluss, dass es sich hier um „Rassismus zur besten Sendezeit“ handele. Man habe beim HR „heftigen Protest eingelegt und eine Entschuldigung des Senders gefordert“, heißt es in einer Erklärung. Die Büttenrede über Integration zu Beginn der Sendung habe die Grenze der „Narrenfreiheit“ deutlich überschritten“, sei „eine einzige Erniedrigung einer ganzen Bevölkerungsgruppe“.
"Gar nichts Böses drin"
„Ich war überrascht, dass man sich so sehr darüber aufregt“, meinte auf Anfrage dieser Zeitung Margit Sponheimer, Mainzer Fastnachtslegende und Sitzungspräsidentin in der HR-Sendung. „Es war in dem Vortrag gar nichts Böses drin, er war so charmant.“ Überrascht zeigte sich auch Lowin selbst. Sie habe „Döner TV“ im vergangenen Jahr mehr als 20 Mal präsentiert, ohne dass von den rund 17.000 Zuschauern, die den Vortrag gehört hatten, sich auch nur ein einziger beschwert hätte, zuletzt vor einigen Tagen in einer Benefizsitzung der Mainzer Rotarier. Nun allerdings gebe es auch Mails und Anrufe von Menschen, die sich beschwerten, etliche auch anonym in der Praxis.
Als Aische tritt Lowin mit Kopftuch und Dirndl auf. Sie habe Medienerfahrung, sei Putzfrau beim ZDF, und auch Bruder Ahmed habe in einer „geschlossenen Sendeanstalt“ eine Festanstellung auf zehn Jahre Bewährung. Das ist der Teil in Lowins Rede, den Ercan Demirel nicht sehr witzig findet. Man dürfe „Leute nicht herabsetzen“, sagt der türkischstämmige Mainzer Musiker und Fastnachter, der Lowin kennt und auch schon mit ihr auf einer Bühne auftrat. Auf der anderen Seite gebe es in ihrem Vortrag „Passagen, da könnte ich mich wegschmeißen“.
"Kann man nicht ernst nehmen"
Lars Reichow, Kabarettist und in „Frankfurt: Helau!“ ebenfalls mit auf der Bühne, hätte „den ein oder anderen Witz vielleicht nicht selbst gemacht“, fand aber den Auftritt Lowins „nicht unsympathisch im Vortrag“. Da schaukele sich einiges hoch, glaubt er.
Nachdem Boulevardblätter wie Bild und BZ sowie die Süddeutsche Zeitung das Thema im Internet aufgegriffen haben, tobt nun auch dort, auf dem Videokanal Youtube, eine heftige Debatte über den Vortrag.
Ganz entspannt sieht das der türkischstämmige Wiesbadener Hakan Özdemir aus der Wellritzstraße: „Ganz ehrlich“, sagt der 19-Jährige, „so einen Auftritt kann man überhaupt nicht ernst nehmen. Deswegen verstehe ich auch nicht, wieso ihn so viele kritisieren. Mein Gott, das ist halt blödes Fastnachtsgeschwätz.“
Der HR wiederholt die Sendung an Fastnachtssonntag, 19. Februar, in seinem dritten Fernsehprogramm.
