Erste Sitzung des Carneval-Club Raunheim
06.02.2012 - RAUNHEIM
Von Michael Kapp
Der Carneval-Club Raunheim (CCR) hatte am Samstag zur ersten von drei Fastnachtssitzungen in die Heinrich-Press-Halle eingeladen. Mehr als 300 Zuschauer, die meisten kostümiert, bekamen ein abwechslungsreiches Programm geboten, in dem sich überwiegend kurzweilige Tanz- und Gesangsnummern sowie Redebeiträge abwechselten.
Dass sowohl Sitzungspräsident Angelo Pellilli wie auch Rednerin Irmtraud Flesch zum Ende der Kampagne ihren Rückzug von den jeweiligen Aufgaben ankündigten, wurde vom Publikum mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Beide werden nur schwer zu ersetzen sein. Einen guten Griff tat der CCR unterdessen mit Bernd Helbig, der als neuer Protokoller seinen Einstand gab.
Märchenhaftes Bühnenbild
Für einen gut gelaunten Einstieg in die Sitzung sorgte das Komitee, das mit seinem Vorspiel und „Gulligulliramsamsam“ für ausgelassene Stimmung unter den Zuschauern sorgte, noch bevor die Garde einzog. Erstmals zu sehen bekam das Publikum auch das wunderschöne Bühnenbild, in dem sich, passend zum Motto „Kommt alle in die Märchenwelt, zum CCR - wie’s Euch gefällt“ verschiedene Märchengestalten tummelten.
Wie es närrischer Brauch ist, ebnete die Garde, die ein nicht minder prächtiges Bild abgab, mit ihrem temperamentvollen Auftritt den Weg für den Protokoller, der im Kostüm von Rübezahl die Bühne betrat. Ob „Wulf im Schafspelz“, „Übermutti Merkel“, Eurokrise oder FDP-Debakel - nichts und niemand, der in den vergangenen Monaten für öffentliches Aufsehen gesorgt hätte, blieb verschont. Auch Bürgermeister Thomas Jühe fand Eingang ins Protokoll. „Der Jühe ist ohne Frage, der Überflieger unserer Tage“, stellte Helbig fest. „Da stimmt ein Höppner selbst mit ein, fast möchte ein Freund von Jühe er sein“. Natürlich blieb auch der Konflikt um die neue Landebahn nicht unerwähnt. „Und nur in Raunheim wird’s jetzt still, weil unser Jühe das so will“, flachste der Protokoller in Richtung Flörsheim und ernannte Raunheim zum „Nachtkurort“.
Es folgte der von der CCR-Bühne nicht mehr wegzudenkende Sänger, Parodist und Mitglied der „Bohnebeutel“, Harry Borgner, der sich mit dem Publikum auf eine musikalische Kreuzfahrt begab. Einmal mehr bewies der Akteur seine stimmliche Qualität, in dem er berühmte Opernarien verulkte. Komiteemitglied Roland Gutbrod gab den „Leidgeplagten Ehemann“, der zwar „die Richtige gefunden, aber die Falsche geheiratet hat“.
Mit einem temperamentvollen Gardetanz, wie man ihn beim CCR erwarten darf, leitete das Hofballett zum Backesbrunnen und zur Froschkönigin Sonja Gröber über. „Dauernd krieg ich armer Tropf, eine leere Bierdos’ an meinen Kopf“, spielte Gröber auf die Dauerzecher am Brunnen an.
Nachwuchs kann es auch alleine
Großen Beifall und Zugaberufe erntete das CCR-Kinderballett, bevor Lukas Brockmann als Rumpelstilzchen beweisen musste, dass er künftig ohne Oma Irmtraud Flesch auf der Bühne bestehen kann. Einen großartigen und stimmungsvollen Auftritt, gepaart mit besonders viel Lokalkolorit und der ultimativen musikalischen Lobhudelei à la „Schatzi schenk mir ein Foto von dir“, was Bürgermeister Jühe galt, präsentierten die „Raunheimer Welle“ und die Tanzgruppe „Dance Generation“.
Mit dem Musikkorps, dessen Schwarzlicht-Einsatz ein optisches Schmankerl bot, wurde nach der Pause die zweite Runde eingeläutet. „Die Dolle“, dargeboten von der fernseherprobten Gastrednerin Corinna Kuhn, war mit ihrem zum Brüllen komischen Vortrag nicht zu überbieten und erhielt zurecht stehenden Beifall.
Weiterhin waren das CCR-Teenagerballett, das Hofballett mit einem hinreißenden „Burlesque“-Tanz, die „Young Bembelscher“ sowie die „Dalles Dänzer“ zu sehen. Bernd Helbig hatte sich außerdem noch als „Strohwitwer“ und der RCV-Aktive Andreas Metz als „Elektriker“ zu beweisen. Dass die Redner bisweilen Mühe hatten, sich gegen jene Besucher im Saal durchzusetzen, die sich durch lautes Reden hervortaten, stieß nicht nur dem Komitee bitter auf.
